Jemen: Huthi-Rebellen stürmen Präsidentenpalast

20. Jänner 2015, 23:09
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UN-Sicherheitsrat stellt sich in Konflikt hinter Staatschef Hadi

Sanaa/New York - Mit der Erstürmung des Präsidentenpalasts haben die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen ihren Machtanspruch bekräftigt. Eine völlige Regierungsübernahme planen sie aber angeblich nicht. Das Schicksal von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi war vorerst unklar. Der UN-Sicherheitsrat berief eine Krisensitzung ein.

Rebellenanführer Abdul Malik al-Huthi begründete das militärische Vorgehen mit einem Bruch des Friedensabkommens durch Hadi. Der habe alle Macht im Lande an sich reißen wollen, sagte Huthi am Dienstagabend in einer Rede. Die Rebellen wehren sich gegen die geplante Aufteilung des Landes in sechs Provinzen.

Palast erobert

Am Dienstagnachmittag hatten die Aufständischen nach Angaben der Nachrichtenseite "Al-Masdar Online" den Präsidentenpalast im Süden der Hauptstadt Sanaa erobert. Obwohl sie die Leibgarde hätten entwaffnen können, sei es im Anschluss vor dem Palast zu neuen Gefechten mit dem Militär gekommen. Mindestens zwei Menschen seien bis zum Abend getötet worden, hieß es. Nach Angaben von Informationsministerin Nadia Sakkaf wurde auch das Wohnhaus Hadis angegriffen.

Ein Huthi-Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Schiitentruppen hätten lediglich die Kontrolle über die Häuser der Palastwachen übernommen. "Wir wollen nicht den Palast kontrollieren", sagte Daif al-Shami. "Wir haben nur unsere Einheiten in der Nähe stationiert, um mögliche Plünderungen zu verhindern." Laut Shami hatten die Palastwachen zuvor ihre Posten verlassen.

Mit ihrem Vorgehen wollen die Huthis vor der Ausarbeitung einer neuen Verfassung den Druck auf die sunnitisch dominierte Regierung erhöhen. Am Wochenende hatten die Huthis bereits Hadis Büroleiter entführt, am Montag lieferten sie sich stundenlang Gefechte mit dem Militär vor dem Präsidentenpalast. Ebenso nahmen sie die Gebäude des Staatsfernsehens und der offiziellen Nachrichtenagentur ein.

Al-Kaida-Angriff

Seit Montagabend wird zudem der Amtssitz von Regierungschef Khaled Bahah im Stadtzentrum belagert. Dieser soll sich jedoch laut Medienberichten nicht mehr in dem Gebäude aufhalten.

Das Chaos nutzen auch sunnitische Extremisten. Anhänger der Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) sollen im östlich gelegenen Hadramaut-Gebirge fünf Soldaten getötet haben. Bewaffnete hätten mit automatischen Waffen das Feuer auf eine Patrouille nahe der Ortschaft Al-Katan eröffnet, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Militärkreisen. Das Militär vermutet Al-Kaida hinter den Angreifern. Die Extremisten verüben regelmäßig Anschläge auf die jemenitische Armee.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte am Dienstag den Angriff auf den Präsidentenpalast in Sanaa und die Belagerung von Hadis Residenz. Die 15 Mitglieder erklärten, Hadi sei die "legitime Autorität", und alle müssten sich hinter ihn und seine Regierung stellen, um den Jemen auf dem Weg zu "Stabilität und Sicherheit" zu halten. (APA, 20.1.2015)

  • Ein Panzer regierungstreuer Truppen auf einem Hügel in der Nähe des jemenitischen Präsidentenpalats.
    foto: reuters/khaled abdullah

    Ein Panzer regierungstreuer Truppen auf einem Hügel in der Nähe des jemenitischen Präsidentenpalats.

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