Der wohl steilste Eislaufplatz der Welt

20. Jänner 2015, 16:31
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Die Streif präsentiert sich vor den 75. Hahnenkammrennen selektiver als in vergangenen Jahren. Das ist keine Tücke der Natur, sondern ein gut durchdachter Schachzug der Veranstalter

Kitzbühel – "Ich möchte alle bitten, die Skier sehr gut zu präparieren", sagte Markus Waldner am Vorabend des ersten Abfahrtstrainings in Kitzbühel und blickte dabei in erstaunte Gesichter. "Die Streif ist heuer sehr, sehr eisig", so der FIS-Renndirektor mit mahnendem Blick in Richtung Mannschaftsführer.

Die Streif, ohnehin nie eine Autobahn für Sonntagsfahrer, wird heuer noch diffiziler sein als in den vergangenen Jahren. "Weil wir sie bewusst schwieriger und unebener gestaltet haben", erzählt Peter Obernauer, Rennleiter des Hahnenkammrennens dem Standard. "Das war auch ein Wunsch von FIS-Renndirektor Hannes Trinkl, der die Strecke aus Sicht des Rennläufers und nicht aus der eines Funktionärs betrachtet". Diese hätten für Obernauers Empfinden zu wenig Bezug zur Herausforderung. "Sie wollten die Gefahr herausnehmen, aber dafür haben wir ja ohnehin umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen".

Und außerdem sei die Streif "in einem exzellenten Zustand". Flächendeckene 50 bis 80 Zentimeter Kunstschnee machen es möglich. Den Neuschnee brauche es nur für die Optik. Obernauer erinnerte daran, dass sich die Läufer zu Klammers Zeiten auf irrsinnig unebener Piste und spärlicher Netzsicherung runtergekämpft und auch nicht gejammert hätten. "Verletzungen hat es damals kaum mehr gegeben als heute, weil die Rennläufer selbst mehr Verantwortung übernommen haben", so der Rennleiter ganz cool.

Schweiß zur Weihnacht

Weniger cool waren die Kitzbüheler rund um Weihnachten, zu der Zeit wären sie beinahe ins Schwitzen gekommen. Schuld dafür war das Wetter. "Die Pistenpräparierung war brutal problematisch. Bis nach Weihnachten war alles grün, Blumen haben geblüht und man konnte mit Straßenschuhen den Hahnenkamm rauf gehen. Gott sei Dank ist es rechtzeitig kalt geworden, sodass wir beschneien konnten".

Nun aber ist endlich Winter, die Temperaturen der Jahreszeit entsprechend und alle freuen sich auf das Spektakel im Ski-Mekka. Auch Marcel Hirscher soll mehr und mehr an der Streif Gefallen finden und sich Gedanken über einen Abfahrtsstart machen. "Er hat letzte Woche hier trainiert und es hat ihm von Mal zu Mal mehr getaugt", berichtet Obernauer.

Seinen Spaß hatte auch Kjetil Jansrud. Der Norweger schwang nach dem ersten Trainingslauf am Dienstag unter bedecktem Himmel mit einem breiten Grinser und Bestzeit nach 1:56,77 Minuten ab. "Für mein Gefühl war es aber keine optimale Fahrt", so Jansrud, der damit andeutete, wie schwer es für die Konkurrenten wird, ihn zu schlagen.

Zur Sache

Ein Kandidat dafür ist Hannes Reichelt, der mit reichlich Selbstvertrauen nach Kitzbühel gekommen ist. Nach Platz zwei mit ziemlich genau einer halben Sekunde Rückstand auf den Superelch resümierte der Wengen-Triumphator nach seiner ersten Talfahrt in der Gamsstadt respektvoll: "Es geht ganz schön zur Sache. Ich habe zwar letztes Jahr hier gewonnen, aber ich habe trotzdem ein bisschen Schiss".

Ziemlich unbekümmert unterwegs war Travis Ganong, der Santa-Caterina-Sieger fasste als Dritter bereits 1,68 Sekunden Rückstand aus. Im Vergleich zu seinem Landsmann Bode Miller war das allerdings eine Kleinigkeit. Der US-Amerikaner, nach seiner Rückenoperation noch nicht voll bei Kräften, zeigte Respekt: "The Streif looks pretty nasty this year". Miller hatte im Ziel 5,36 Sekunden Verspätung. Weit näher an der Spitze waren Georg Streitberger als Achter und ein etwas schlapper Matthias Mayer als Zehnter.

Besonders fieses Spiel wird heuer der berühmt-berüchtigten Mausefalle zugetraut, der Sprung in eben diese ist heuer kein Klacks, eher grenzwertig. Der Zielsprung entpuppte sich entgegen manchen Befürchtungen als keine größere Herausforderung. Im Gegensatz zu jenem bei der Ausfahrt der Traverse, wo unerwartet weite Sätze zu bestaunen waren. Egal ob die Skier gut oder weniger gut präpariert waren. (Thomas Hirner aus Kitzbühel, derStandard.at, 20.1.2015)

Erstes Abfahrtstraining, Dienstag

1. Kjetil Jansrud (NOR) 1:56,77 Minuten
2. Hannes Reichelt (AUT) 0,51 zurück
3. Travis Ganong (USA) 1,68
4. Werner Heel (ITA) 1,79
5. Adrien Theaux (FRA) 2,18
6. Benjamin Thomsen (CAN) 2,30
7. Johan Clarey (FRA) 2,32
8. Georg Streitberger (AUT) 2,35
9. Josef Ferstl (GER) 2,45
10. Matthias Mayer (AUT)

Weiters (alle AUT):
16. Max Franz 2,71
17. Otmar Striedinger 2,79
31. Romed Baumann 3,63
36. Patrick Schweiger 4,30
38. Klaus Kröll 4,48
43. Vincent Kriechmayr 5,17

  • Vorjahressieher Hannes Reichelt flott unterwegs.
    foto: apa

    Vorjahressieher Hannes Reichelt flott unterwegs.

  • Rennleiter Peter Obernauer hat die Streif schwieriger gemacht.
    foto: derstandard.at/hirner

    Rennleiter Peter Obernauer hat die Streif schwieriger gemacht.

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