Aufgepeppter Wein

Kolumne9. Februar 2015, 13:03
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Was alles in den Wein darf, ohne dass der Konsument es je erfährt

Dimethyldicarbonat, PVPP-Granulat, Kupfercitrat, Gummiarabikum - was klingt wie Zutaten aus dem Chemielabor, ist eine kleine Auswahl legaler Zusatzstoffe bei der Weinbereitung. Wer glaubt, Manipulationen gäbe es nur bei industriell gefertigten Massenweinen, irrt: Auch renommierte Betriebe bedienen sich önologischer Helferlein, um ihre Weine aufzupeppen.

Was als Naturprodukt angepriesen wird, kommt oft nicht ohne Griff in die Chemietrickkiste aus. Ein Blick in den Katalog diverser Anbieter lässt Weintrinker staunen: Reinzuchthefen mit klingenden Namen verheißen Kirscharomen, verhelfen zu mehr Sortencharakter und verleihen Cremigkeit. Aus Galläpfeln gewonnene Tannine fetten den Extraktgehalt auf, PVPP-Granulat beseitigt Bittertöne und korrigiert unharmonische Weine. E 242 wiederum eliminiert unerwünschte Bakterien, steht aber unter Verdacht, krebserregend zu sein.

Sorgfalt bei den Inhaltsstoffen

Die Liste erlaubter Mittel ist lang; anders als bei Nahrungsmitteln werden sie jedoch nicht auf dem Etikett angegeben. Auf Limonade beispielsweise muss jeder einzelne Inhaltstoff aufgelistet sein. So sehen es die seit Dezember geltenden Richtlinien des EU-Lebensmittelgesetzes vor. Umso erstaunlicher, dass diese Sorgfalt beim Wein nicht notwendig erscheint. Auch wenn die Zusatzstoffe legal sind, würde man doch gerne wissen, was man so alles mittrinkt. (Christina Fieber, Rondo, DER STANDARD, 23.1.2015)

  • Die seit Dezember geltenden Richtlinien des EU-Lebensmittelgesetzes nehmen den Wein aus.
    foto: ap / hussein malla

    Die seit Dezember geltenden Richtlinien des EU-Lebensmittelgesetzes nehmen den Wein aus.

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