Flughafen Wien: Trotz Krisen Passagierrekord

20. Jänner 2015, 13:05
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Optimistischer Ausblick für heuer, Prozess mit Ex-Vorstand Gabmann über Bonuszahlungen geht in die Berufung. Versuch, neue Airlines zu gewinnen

Wien – Der Wiener Flughafen habe im Vorjahr "unter widrigen Rahmenbedingungen wie den Krisenherden in Syrien, dem Irak und Libyen sowie in Osteuropa" einen Passagierrekord mit 22,5 Millionen Passagieren (plus 2,2 Prozent) erzielt, sagte Flughafen-Vorstand Julian Jäger am Dienstag bei der Präsentation der Verkehrsergebnisse. Möglich wurde das durch eine sehr gute Entwicklung auf der Langstrecke, vor allem nach Nordamerika, und hier wiederum durch den Ausbau der AUA-Routen.

Für heuer geben Jäger und sein Vorstandskollege Günther Ofner einen leicht optimistischen Ausblick bei den Passagieren (trotz anhaltender Krisen). Zu beobachten sei, dass die Saisonalität steige. Im Sommer gebe es viele neue Urlaubsdestinationen, der Winter werde durch immer mehr Flugstreichungen härter. "Ich empfehle heuer eine Rom-Reise, da zahlreiche Airlines Rom ab Wien anbieten und die Ticketpreise sicher sehr günstig sind", so Jäger.

Wettbewerbsnachteil

Einmal mehr forderten die Flughafen-Chefs die Streichung der Ticketsteuer, die dem Staat zwar 100 Mio. Euro bringe, aber einen Konkurrenznachteil etwa zu Bratislava, Laibach oder Zürich verursache. Die Route Bratislava–Brüssel wird von Niki ab April angeflogen, was vor allem mit der EU-Präsidentschaft der Slowakei im zweiten Halbjahr 2016 zu tun habe. Die Slowakei will die EU-Beamten dann nicht in Wien lassen, argumentiert Ofner. Die slowakische Regierung unternehme derzeit enorme Aktivitäten, um Billig-Airlines ins Land zu holen, habe aber bis jetzt nicht die Schulden beim Wiener Flughafen von 2,7 Mio. Euro bezahlt, betonte Jäger. Es handle sich dabei um ausstehende Zinszahlungen aus der Zeit, als die Wiener den Flughafen Bratislava (aktuell rund 1,5 Mio. Passagiere) kaufen wollten.

Der Flughafen Laibach wurde jüngst um sehr viel Geld vom Betreiber des Frankfurter Flughafens übernommen, und nun wird versucht, auch im Süden Österreichs auf Passagierfang zu gehen.

Entscheidung über Terminal

Am Wiener Flughafen beginnen heuer die Planungen für das Bürohaus Office Park 4, und in Fischamend wird ein zehn Hektar großes Grundstück für ansiedlungswillige Betriebe vermarktet. In den nächsten Monaten fällt auch die Entscheidung, was mit dem Terminal zwei passiert (Sanierung oder Abriss und Neubau). Sobald die Entscheidung gefällt wurde, werde man in einem nächsten Schritt ein Gesamtterminalprogramm für die Abfertigung eines A380 planen. Konkrete Anfragen von Airlines, damit in Wien zu landen, gebe es derzeit aber nicht, so Jäger.

Geht es um neue Airlines, die nach Wien kommen, so wären Singapore Airlines oder South African interessant. Verhandlungen gebe es aber noch keine.

Offen ist nach wie vor die von Ex-Vorstand Ernest Gabmann eingeforderte Bonuszahlung. Rechtskräftig zuerkannt hat ihm das Gericht bisher 350.000 Euro brutto plus 10.000 Euro Zinsen für sein Dienstverhältnis am Airport. Das sei nicht einmal die Hälfte des Betrages, den Gabmann eingeklagt habe, so Ofner. Die Bonuszahlung von 340.000 Euro für das frühere Skylink-Terminal ist noch ausständig, weil der Flughafen in die Berufung geht.

Mehr Sicherheit

Im Zuge der Anti-Terror-Maßnahmen gibt es am Flughafen Wien derzeit eine sogenannte "erhöhte Wachsamkeit", betonte Jäger. Der Fachbegriff bedeute eine sehr enge Abstimmung mit den Behörden am Airport. "Es ist auch auf EU-Ebene eine verstärkte Überprüfung auf Sprengstoff in Planung", so Jäger. Neue Mitarbeiter würden eingestellt.

Die Airport-Tochter Vienna International Airport Security (Vias) werde in den nächsten Monaten etwa 100 zusätzliche Mitarbeiter aufnehmen. Es gehe um stichprobenartige Kontrollen und schärfere Überprüfungen in Verdachtsfällen. Der Flughafen Wien hat 1.200 Mitarbeiter im Sicherheitsbereich. Für die sicherheitspolizeilichen Aufgaben seien aber die Behörden zuständig. Derzeit gebe es eine verstärkte Präsenz der Einsatzkräfte.

Aus heutiger Sicht erwartet der Wiener Airport einen Umsatzanstieg von zuletzt 630 Mio. auf über 645 Mio. Euro, das Netto-Konzernergebnis sollte von 240 Mio. auf über 250 Mio. Euro heuer steigen. (cr, derStandard.at, 20.1.2015)

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