Kostenpflichtige Lehrgänge: Akademische Wundmanager und Provokationspädagogik

20. Jänner 2015, 11:41
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Donau-Uni mit rund 450 Lehrgängen – Auch andere Unis mit bis zu 40 Angeboten

Wien – Die Universitäten bieten immer mehr kostenpflichtige Uni-Lehrgänge an. Das zeigt eine Auflistung in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage von Neos-Wissenschaftssprecher Nikolaus Scherak durch Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Die Kosten reichen dabei bis zu 45.000 Euro pro Studiengang.

Neben ihren regulären Studien dürfen die 21 dem Universitätsgesetz (UG) unterliegenden Universitäten allein oder in Zusammenarbeit mit anderen Anbietern kostenpflichtige Lehrgänge anbieten. Diese können – je nach Umfang und Anforderungen – auch mit Mastergraden oder anderen Titeln wie "Akademischer ..." abschließen. Diese sind aber nicht mit einem Bachelor oder Master vergleichbar, die nach einem Regelstudium vergeben werden und zum Weiterstudium auf einer nächsthöheren Ebene berechtigen (Master oder Doktorat/PhD).

Bis zu 30.000 Euro pro Lehrgang

Lehrgangs-"Kaiserin" ist die Donau-Uni Krems, die als nur auf Weiterbildung spezialisierte und nicht dem UG unterliegende Hochschule allerdings außer Konkurrenz läuft: Die Ministeriums-Auflistung weist für sie rund 450 Lehrgänge aus. Die Kosten dafür reichen von rund 1.500 Euro bis zu knapp 30.000 Euro pro Lehrgang – je nach Inhalt und Umfang der Ausbildung.

Aber auch die Uni Klagenfurt sowie die Musik-Uni Wien und das Mozarteum Salzburg bieten jeweils rund 40 Lehrgänge an – in Klagenfurt sind dafür zwischen einigen Hundert ("Senior Studium liberale") bis zu 33.000 Euro ("International Executive MBA") zu berappen. An den Musik-Unis fährt man im Regelfall günstiger mit einigen Hundert bis einigen Tausend Euro.

Master in spiritueller Begleitung

Durchaus bunt ist dabei die Vielfalt der vergebenen Titel: An der Donau-Uni wird etwa ein "Akademischer Life Cycle Manager Bau" vergeben (Lehrgangskosten: 15.500 Euro), "Akademische Experten für Ökologisches Garten- und Grünraummanagament" (7.500 Euro) treffen auf "Akademische Experten für Migrationssensibles Wohnmanagement" (7.900 Euro), "Akademische Experten in Tageslicht Architektur" (8.500 Euro), "Akademische Wundmanager" (6.990 Euro), "Akademische Kontinenz- und Stomaberater" oder "Master of Arts (Provokationspädagogik)" (7.200 Euro) und "Master of Arts in spiritueller Begleitung" (11.900).

Öffentliche Unis müssen nicht akkreditieren

Aber auch an den anderen Unis gibt es nicht alltägliche Lehrgänge: Die Uni Wien etwa bietet einen Grund- (7.600 Euro) und einen Aufbaulehrgang (9.500 Euro) für "Integrative Outdoor-Aktivitäten", an der Uni Graz gibt es "Kommunaldolmetschen" (3.200 Euro). Die Uni Innsbruck setzt auf einen Grund- und einen Aufbaulehrgang "Zwischenmenschliche Kommunikation" (je 690 Euro pro Semester), außerdem kann man dort "Frieden" studieren und als "Master of Arts in Peace Studies" abschließen (6.350 Euro). An der Kunst-Uni Linz kann man für 1.000 Euro pro Jahr "Aktzeichnen".

Am teuersten sind im Regelfall die MBA-Ausbildungen der einzelnen Unis: Professional MBA-Programme an der Wirtschaftsuniversität (WU) kosten bis zu 45.000 Euro, aber auch eine technische Ausbildung wie "Advanced Drilling Engineering" an der Montanuni Leoben kann mit 37.000 Euro zu Buche stehen.

Bei ihren Lehrgangsangeboten haben die öffentlichen Unis einen bedeutenden Vorteil gegenüber den Privatuniversitäten: Sie müssen sie nicht akkreditieren lassen. (APA, 20.1.2015)

  • 450 akademische Lehrgänge gibt es in Österreich.
    foto: ap/morehead

    450 akademische Lehrgänge gibt es in Österreich.

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