YLine-Prozess: Ex-"Börsenguru" Lielacher schwänzte Gerichtstermin

20. Jänner 2015, 10:32
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Richterin Hohenecker ordnete polizeiliche Vorführung an

Im Prozess um die Pleite der Internetfirma Yline rund 14 Jahre nach Zusammenbruch des Unternehmens gibt es eine weitere Verzögerung. Der ehemals gefeierte "Börsenguru" Mike Lielacher, der mit zwei seiner Firmen ebenfalls Schiffbruch erlitten hatte, ist heute, Dienstag, seiner Zeugenladung nicht nachgekommen.

Ordnungsstrafe

Richterin Marion Hohenecker verhängte daraufhin eine Ordnungsstrafe von 350 Euro und ordnete die polizeiliche Vorführung von Lielacher für den morgigen Verhandlungstag an. Zuvor hatte sich sowohl Anwalt Norbert Wess, Verteidiger eines der Angeklagten, wie auch die Gerichtsprotokollistin auf die Suche nach Lielacher gemacht. Auf die Frage der Richterin, ob Wess denn wisse wie der Zeuge aussieht, meinte dieser: "Bekannt aus Film und Fernsehen."

Lielacher ist in der Wirtschaftswelt wahrlich kein Unbekannter. Rund um das Jahr 2000 noch groß gefeierter Börsenstar, folgten rasch wirtschaftliche Flops. Seine Firmen Bluebull und CLC gingen pleite. Zuletzt hieß es, Lielacher habe seinen Wohnsitz in Monaco.

Richterin Hohenecker nutzte den äußerst kurzen Verhandlungstag dazu, die Schöffen für das neue Jahr anzugeloben und die weiteren Verhandlungstermine festzulegen. Morgen wird im Großen Schwurgerichtssaal des Wiener Handelsgerichtes weiterverhandelt, der nächste Prozesstermin ist dann der 17. März.

Neues Gutachten

Am Mittwoch steht ein neues Gutachten im Mittelpunkt der Verhandlung. Es wurde vom Gerichtssachverständigen Alexander Stefan erstellt und beschäftigt sich vordringlich mit der Frage, wie eng das Verhältnis von YLine zu IBM war. Laut dem ehemaligen YLine-Chef Werner Böhm habe ein Partnervertrag bestanden, den IBM nicht eingehalten habe. In Folge dessen sei YLine Pleite gegangen.

YLine war 1998, ein Jahr vor dem ersten Börsengang 1999, gegründet worden. Im Herbst 2001 meldete das Unternehmen Konkurs an. Laut Anklage war YLine aber schon spätestens Mitte Jänner 2001 zahlungsunfähig. Die Vorwürfe lauten auf Untreue, Insiderhandel und Bilanzfälschung.

Der Öffentlichkeit bekannt wurde YLine über seine Tochterfirme FirstInEx, die die heftig umstrittene Homepage des damaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser gestaltet hatte. Der von der Industriellenvereinigung (IV) gesponserte "Verein zur Förderung der New Economy" hatte 240.000 Euro für Grassers "private" Homepage gezahlt. Die eine Hälfte ging an FirstinEx, die andere in Richtung des Lobbyisten Peter Hochegger. Böhm hatte kürzlich in einem Interview eingeräumt, dass die Homepage zu teuer gewesen sei. (APA, 20.1.2015)

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