Vorzeitiger Schulabbruch vererbt sich

20. Jänner 2015, 13:04
70 Postings

53.000 Jugendliche haben keine Ausbildung

Salzburg - Rund 53.000 Jugendliche brechen jährlich in Österreich die Schule ab. 7,3 Prozent der heute 18- bis 24-Jährigen haben weder eine höhere Schule noch eine Lehre oder eine andere Ausbildung abgeschlossen. Die Gründe für Schulabbrüche seien sehr individuell und vielseitig. Trotzdem gehen Experten von einer strukturellen Bildungsbenachteiligung bestimmter Gruppen aus. Als Hauptrisikogruppen gelten Jugendliche aus sozioökonomisch schwachen Milieus mit Migrationshintergrund, Jugendliche, deren Eltern arbeitslos sind und Jugendliche aus bildungsfernen Haushalten.

Hier spiele der Zufall eine Rolle, sagt die Rektorin der Pädagogischen Hochschule (PH) Salzburg, Elfriede Windischbauer, denn "die Jugendlichen haben keinen Einfluss darauf, in welche Familie sie hineingeboren werden". Die Drop-out-Quote von Jugendliche, die zuwandern und in erster Generation in Österreich sind, ist mit 18,8 Prozent fast viermal so hoch wie jene von österreichischen Jugendlichen. Kinder arbeitsloser Eltern haben ein dreimal so hohes Risiko die Schule abzubrechen und Kinder, deren Eltern nur einen Pflichtschulabschluss haben, ein fünfmal so hohes Risiko.

"Schule muss sich auf Schüler zubewegen"

Die PH Salzburg will mit zusätzlichen Lehrerbildungsangeboten entgegensteuern und bemüht sich vermehrt um Lehrer mit Migrationshintergrund. "Die Schule muss sich auf die Schüler zubewegen, nicht umgekehrt", sagt Manfred Oberlechner, der das Zentrum für Diversitätspädagogik an der PH Salzburg leitet. Inklusion brauche es von Anfang an. Wichtig sei es, dass den Lehrern die Risikogruppen bewusst sind, damit sie hinsehen und gegensteuern können, sagt Windischbauer. Aber: "Bildung kann nur einen Teil ausgleichen. Die Politik muss dafür sorgen, dass Migranten in der Gesellschaft ankommen", betont die Rektorin der Stefan Zweig Hochschule.

Auch das Schulsystem beeinflusse den vorzeitigen Bildungsabbruch: "Solange wir ein Schulsystem haben, wo Schüler von einer Schule in die andere weitergereicht werden, haben wir ein Problem", sagt Wolfgang Plaute vom Bundeszentrum für Begabungsförderung. Es brauche eine Haltungsänderung unter dem Motto "keiner darf zurückbleiben", statt eines Schulsystems, das auf Selektion aufgebaut ist, ergänzt Windischbauer. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 20.1.2015)

Share if you care.