"Islamischer Staat" will  200 Millionen Dollar für zwei Japaner

20. Jänner 2015, 14:14
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Entführer stellen 72-Stunden-Ultimatum

Tokio – Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat erstmals ausdrücklich Geld verlangt, damit sie das Leben von Geiseln verschont. In einem am Dienstag im Internet veröffentlichten Video drohten die Islamisten mit der Tötung von zwei verschleppten Japanern, sollte die Regierung in Tokio nicht 200 Millionen Dollar zahlen. Die Entführer stellen ein Ultimatum von 72 Stunden.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe kündigte auf einer Nahost-Reise an, alles daranzusetzen, seine Landsleute freizubekommen. Er hatte am Wochenende den Gegnern der IS in der Region 200 Millionen Dollar (172,34 Mio. Euro) an nichtmilitärischer Hilfe zugesagt.

Drei Tage Zeit

Das Video ähnelt früheren Veröffentlichungen der Extremistengruppe. Darauf sind mutmaßlich die beiden Geiseln zu sehen. Neben ihnen steht ein maskierter und mit einem Messer bewaffneter Geiselnehmer. Die japanische Öffentlichkeit habe 72 Stunden Zeit, um die Regierung in Tokio davon abzubringen, die USA in ihrem Kampf gegen die IS zu unterstützen, erklären die Kidnapper. "Ansonsten wird dieses Messer zu eurem Albtraum werden", sagte der Bewaffnete auf Englisch. Bisherige Videos zeigten Drohungen gegen die Entführten oder ihre Enthauptung.

Bei den Geiseln handelt es sich um den freien Journalisten und Buchautor Kenji Goto Jogo sowie um Huruna Yukawa, der mit der syrischen Rebellengruppe Suqour al-Sham unterwegs gewesen sein soll. Seinem Vater und Medienberichten zufolge soll er im vergangenen Jahr aber eine Reise in den Irak und nach Syrien gegenüber Familie und Freunden als letzte Chance für einen Neustart bezeichnet haben, nachdem seine Firma pleitegegangen, seine Frau an Krebs gestorben und er obdachlos geworden sei.

Kabinett tagt

Das japanische Kabinett trat in Tokio zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Die Aufnahme werde geprüft, hieß es. Abe verlangte in Jerusalem, die Geiseln müssten unversehrt freigelassen werden. Der Regierungschef hatte am Samstag in Kairo 200 Millionen Dollar an nichtmilitärischer Hilfe für die Staaten zugesagt, die gegen die IS kämpften. Darauf angesprochen, sagte er am Dienstag, die Summe sei als humanitäre Hilfe für Flüchtlinge in der Region gedacht. Auf die Frage, ob Japan das Geld zahlen werde, sagte er, das Leben der Verschleppten zu retten habe oberste Priorität.

Die IS-Miliz hat große Teile des Irak und Syriens unter ihre Kontrolle gebracht und dort ein Kalifat ausgerufen. Die Gruppe geht mit großer Brutalität gegen Andersgläubige und Muslime vor, die ihre fundamentalistische Auslegung des Islam nicht teilen. (red/APA, 20.1.2015)

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