Auch US-Präsident Obama will Hintertüren für Verschlüsselung

20. Jänner 2015, 09:01
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Schlägt sich auf die Seite seines britischen Amtskollegen Cameron - Glaubt an Kooperation der "Patrioten" im Silicon Valley

Im Gefolge der Terroranschläge auf einen jüdischen Supermarkt und auf die Redaktion von Charlie Hebdo ließ der britische Premierminister David Cameron vor einigen Tagen mit einer radikalen Forderung aufhorchen. Es könne nicht sein, dass es Kommunikation gebe, die der britische Geheimdienst im Fall des Falles nicht abhören könne. Cameron forderte also de fakto das Ende jeglicher effektiver Verschlüsselung.

Verbündeter

Doch was viele Beobachter zunächst vor allem unter dem Eindruck der anstehenden Wahlen in Großbritannien verordneten, scheint dem Premier durchaus ernst zu sein. Und nun scheint er einen mächtigen Verbündeten gefunden zu haben - in US-Präsident Barack Obama.

Problem Verschlüsselung

Gegenüber dem Wall Street Journal betont dieser, dass Verschlüsselung ein ernsthaftes Problem darstelle. Wenn man klare Hinweise auf einen geplanten Terroranschlag habe, und dann wegen Verschlüsselung die Kommunikation nicht mitlesen könne, stelle dies eine akute Gefährdung dar. Zuletzt hatten - nicht zuletzt unter dem Eindruck der Snowden-Enthüllungen - viele Softwareunternehmen die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ihrer Services forciert, darunter beliebte Messenger wie WhatsApp.

"Patrioten"

Auch Obama fordert damit also Hintertüren in Verschlüsselungssoftware für die eigenen Geheimdienste. Und er zeigt sich davon überzeugt, dass das Silicon Valley bereit ist, zu kooperieren, immerhin handle es sich dabei um "Patrioten".

Kritik

Sicherheitsexperten reagieren auf dieses Vorschläge hingegen praktisch unisono ablehnend. So wird den Politikern attestiert, dass sie keine Ahnung hätten, was solche ein Schritt konkret bedeuten würde. Durch Hintertüren würde die Sicherheit der betroffenen Software - und des Internets als Ganzen - massiv geschwächt. Die Backdoors würden schnell zu einem zentralen Angriffspunkt für Kriminelle und fremde Geheimdienste werden. Womit nicht nur die Anwender sondern auch die eigene Wirtschaft und die Behörden-IT massiv gefährden würde. "Wie kann man nur in der selben Rede von der Verbesserung der Cybersicherheit reden und sich dann über Verschlüsselung beschweren", wundert sich etwa Christopher Soghoian von der American Civil Liberties Union.

Konsequenzen

In einem Beitrag auf Boing Boing hatte Autor Cory Doctorow Cameron bereits vor einigen Tagen vorgerechnet, was die realen Konsequenzen einer solchen Regelungen wären. So müsste man etwa eine Überwachungsinfrastruktur aufziehen, die jene von China noch überträfe. Open-Source-Software müsse verboten und Einreisenden ihre Smartphones abgenommen werden.

Vordertür nicht Hintertür

Cameron lässt sich von all der Kritik - und auch dem Spott -, den seine Forderung ausgelöst haben, jedenfalls nicht beeindrucken. Vor wenigen Tagen legte er noch einmal nach und betonte, dass es ihm nicht um Hintertüren in Verschlüsselungssoftware gehe sondern um klare und eindeutige Vordertüren. (apo, derStandard.at, 20.1.2015)

  • US-Präsident Obama schlägt sich auf die Seite von David Cameron.
    foto: kevin lamarque / reuters

    US-Präsident Obama schlägt sich auf die Seite von David Cameron.

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