IWF vertagt Aufschwung für Weltwirtschaft

20. Jänner 2015, 16:50
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Der niedrige Ölpreis wird der Weltwirtschaft nicht auf die Beine helfen, sagt der IWF. Die Konjunktur kommt nicht in Schwung

Wien - Als österreichischer Unternehmer, der seine Produkte auch im Ausland absetzt, hätte man zuletzt fast optimistisch werden können. Eine 10.000 Euro teure Maschine kommt potenziellen Kunden in den USA wegen des schwachen Euro im Vergleich zum Vorjahr heute 2500 Dollar billiger. Der niedrige Ölpreis lässt die Energiekosten schrumpfen.

Geht also endlich der Aufschwung los? Zu früh gefreut, sagt jetzt der Internationale Währungsfonds (IWF). Zwar sei der Ölpreis ein kleiner Anstoß für die Weltwirtschaft, die Zurückhaltung vieler Investoren mache das aber mehr als wett. Investoren sind derzeit, was profitable Projekte betrifft, noch pessimistischer als vor wenigen Monaten, schreibt der IWF. Der Fonds setzt seine Wachstumserwartungen für die Eurozone deshalb um 0,2 für heuer beziehungsweise 0,3 Prozentpunkte für 2016 herunter. Dabei ist die Region aber in guter Gesellschaft. Auch die Wachstumsprognosen für Japan, Russland, Südamerika und Afrika wurden zurückgeschraubt. In Summe soll die Weltwirtschaft heuer um 3,5 Prozent wachsen (Oktoberprognose: 3,8 Prozent), im Jahr darauf um 3,7 Prozent (vier Prozent).

Wirtschaft in den USA wächst

Die USA sind die einzige große Volkswirtschaft, in der die Prognose nach oben revidiert wurde. Die dortige Wirtschaft soll heuer um satte 3,6 Prozent wachsen. In der Eurozone fällt Spanien positiv auf. Der IWF erwartet für heuer nun ein Wachstum von zwei Prozent (Oktober: 1,7 Prozent). Besonders drastisch setzt der Fonds seine Prognose für Italien herab. Über die nächsten zwei Jahre soll das Land jeweils um einen halben Prozentpunkt weniger wachsen. Das überrascht, weil die vergangene Prognose des IWF nur knappe drei Monate zurückliegt.

Geht es nach dem IWF, fällt Russland heuer in eine tiefe Rezession. Die Wirtschaft soll um drei Prozent schrumpfen, nächstes Jahr dann noch einmal um ein Prozent. Dabei ist der von den USA dominierte Währungsfonds im Vergleich sogar noch ziemlich optimistisch. Die russische Zentralbank selbst geht von minus fünf Prozent aus, wenn der Ölpreis so niedrig bleibt wie jetzt.

China geht die Luft aus

Der IWF schraubt auch die Wachstumserwartungen für Entwicklungsländer zurück. Sie sollen im Schnitt aber trotz der gesunkenen Rohstoffpreise um etwa sechs Prozent pro Jahr wachsen.

Chinas Wirtschaft wird im Jahr 2015 um 6,8 Prozent, im Jahr darauf gar nur mehr um 6,3 Prozent zulegen, glaubt der IWF. Schon im Vorjahr verzeichnete China mit plus 7,4 Prozent das schwächste Wirtschaftswachstum seit 24 Jahren.

Schlechter lief es zuletzt 1990, als westliche Sanktionen wegen der im Jahr zuvor blutig niedergeschlagenen Demokratiebewegung das Land trafen. Erstmals seit 15 Jahren wurde auch das von der kommunistischen Regierung vorgegebene Ziel verfehlt: Sie hatte ein Plus von 7,5 Prozent angestrebt. "2014 war geprägt von einem komplizierten und wackligen internationalen Umfeld und der schweren Aufgabe, inländische Reformen und Stabilität zugleich zu wahren", verlautet das chinesische Statistikamt. Der Exportweltmeister spürt etwa die schwache Wirtschaft in der Europäischen Union, dem wichtigsten Absatzmarkt. Gleichzeitig wuchsen ausländische Investitionen nicht mehr so schnell. (sat, APA, STANDARD, 21.1.2015)

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