Aufstieg Chinas radiert Armut aus

20. Jänner 2015, 07:35
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500 Millionen Chinesen sind in den vergangenen 20 Jahren aus der Armut gekommen

Während der wirtschaftliche Aufstieg Chinas den Westen vorwiegend geopolitisch beschäftigt, ist er für die Chinesen vor allem eines: ein sehr effektives Programm zur Bekämpfung der Armut. Über die genauen Zahlen streiten sich die Statistiker. Man kann aber sagen, dass die Zahl der Armen in China zwischen 1990 und 2010 um etwa 500 Millionen Menschen zurückgegangen ist.

Jeder zehnte Chinese wird laut Weltbank-Definition (1,25 Dollar pro Tag) als arm eingestuft. 1990 galten noch fast zwei Drittel der Bevölkerung als arm. Und dabei sind die neuen Berechnungen des International Comparison Program (ICP) noch gar nicht berücksichtigt. Laut einer Schätzung des Centre for Global Development ist die Armut mit den neuen Zahlen noch einmal um 30 Prozent niedriger als bisher gedacht.

Indien schlechter

Zwischen 1990 und 2010 ist die Zahl der armen Menschen weltweit insgesamt um 900 Millionen zurückgegangen. Der Großteil davon fußt also auf den Erfolgen Chinas. Nachbarland Indien liegt hier deutlich schlechter. Dort lebt heute ein Drittel der armen Menschen weltweit. Der Rückgang geht deutlich langsamer voran. Während es in China etwa 100 Millionen Arme gibt, sind es in Indien noch 400 Millionen.

Indien wartet aber besonders gespannt auf die aktualisierten Zahlen der Weltbank. Weil die Preise im Schnitt deutlich niedriger sind als bisher gedacht, geht das Centre for Global Development davon aus, dass die Zahl der armen Menschen in Indien von 400 Millionen auf 100 Millionen nach unten revidiert wird.

Ungleichheit geht zurück

Der große Fortschritt Chinas sorgt dafür, dass die Schere zwischen Arm und Reich auf der Welt zugeht. Die Ungleichheit in den einzelnen reichen Ländern, aber etwa auch in China und Indien, steigt zwar. Nimmt man die Welt aber als eine Region, dann fällt sie.

Wie das geht? In der Stadt lebende Chinesen ziehen den Menschen auf dem Land in puncto Einkommen davon. Die Schere zwischen Arm und Reich geht in China dadurch auf. Global gesehen holt die chinesische Mittelschicht gegenüber den reichen Ländern aber auf.

Das lässt sich am Gini-Index zeigen. Er ist laut dem Ökonomen Branko Milanovic von 72 (1988) auf 64 (2011) gesunken. Ein Wert von 100 hieße, ein Mensch besitzt das ganze Einkommen der Welt. Die Ungleichheit auf der Welt ist aber weiterhin enorm. Österreich kommt auf einen Gini von 27. (sat, DER STANDARD, 20.1.2015)

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