Niederösterreich begab im Oktober Franken-Anleihen

19. Jänner 2015, 18:06
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Das Land Niederösterreich hat eine Anleihe über 300 Millionen Franken begeben. Der Hedgefonds Everest stürzt ab

Wien – Die Finanzmärkte stehen weiterhin im Bann der Schweiz, die den Mindestkurs zum Euro vergangene Woche gekippt hat. Gebietskörperschaften, Kreditnehmer und Banken leiden unter der überraschenden Vorgangsweise der Eidgenossen, zumal Frankendarlehen in Österreich und Osteuropa besonders populär waren. International liegt der Fokus mehr auf den Auswirkungen auf Broker und Hedgefonds.

Am Tag nach der Aktion der Schweizer Notenbank meldeten zwei Devisenhändler Insolvenz respektive die Unterschreitung von Kapitalvorschriften an. Am Wochenende berichtete Bloomberg, dass ein großer Hedgefonds wegen horrender Verluste dichtmachen müsse: Der von Marko Dimitrijevic gemanagte Global Fund von Everest Capital mit Sitz in Miami habe darauf gesetzt, dass der Franken an Wert verliere. Der Fonds verfügt über ein Vermögen von etwa 830 Mio. Dollar. Everest Capital verwalte aber immer noch sieben andere Fonds mit einem Kapital von insgesamt etwa 2,2 Mrd. Dollar. Der Frankenanstieg soll auch Großbanken wie Citigroup oder Barclays hohe Summen gekostet haben.

Probleme der Länder

In Österreich sorgen sich mehrere Länder und Gemeinden um ihre Frankenverbindlichkeiten, die mit dem Anstieg der Schweizer Währung wachsen. Das ohnehin hoch verschuldete Niederösterreich hat seit vergangener Woche ein Problem mehr: Wie DER STANDARD erfuhr, war das Land mit einer Franken-Position im Volumen von 900 Millionen vor nicht allzu langer Zeit noch einmal recht aktiv: Am 9. Oktober des Vorjahres wurden zwei Franken-Anleihen über zusammen 300 Millionen Franken begeben.

Es habe sich um die erste Emission eines österreichischen Bundeslandes seit zwei Jahren gehandelt, feierte die Großbank Credit Suisse die Emission, die sie betreute. Sie sprach von einer starken Nachfrage der Investoren nach den zwei Schuldverschreibungen, die bis 2021 bzw. 2022 laufen und einen Kupon von 0,375 respektive 0,5 Prozent tragen.

"Rollierung"

Ein Sprecher von Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka betont auf Nachfrage, dass es sich um keine Aufstockung des Kreditvolumens in Franken handle, sondern um eine Rollierung. Mit dem aufgenommenen Geld wurde offenbar ein Darlehen der Bundesfinanzierungsagentur zurückgezahlt, das auch in Franken denominiert war. Allerdings laufen die Oebfa-Finanzierungen in Franken bis 2016. Warum vor Fristende zwei neue Franken-Schuldverschreibungen platziert wurden, darauf gibt es keine Antwort.

Bei der Aufnahme 2006 lag der Kurs in der Gegend von 1,50 Franken zum Euro. Derzeit herrscht Parität. Die Schulden sind zum aktuellen Kurs also um um die Hälfte angewachsen. Eine weitere, 2010 in Schweizer Währung begebene Anleihe reift 2017 ab.

30 Milliarden

Hart von den Turbulenzen an den Devisenmärkten werden auch die heimischen Banken getroffen, die sich ja besonders bei der Vergabe von Fremdwährungskrediten engagiert haben. Allerdings hat die Bankenaufsicht das Geschäft stark reglementiert, wodurch die Franken-Forderungen seit 2010 von 45 auf zuletzt 30 Milliarden Euro gefallen sind. Davon entfallen 25 Mrd. Euro auf Haushalte, der Rest auf Unternehmen, analysiert die Ratingagentur Moody's.

Unter den Banken entfällt demnach mit 13 Mrd. Euro an Frankenkrediten der größte Brocken auf die Bank Austria, gefolgt von Erste Group (zehn Mrd.) und Raiffeisen Bank International (4,23 Mrd.). Ein ganz anderes Bild ergibt sich, wenn man die Frankenkredite in Relation zu den gesamten Ausleihungen der Banken in Österreich setzt. Mit 29 Prozent ist laut Moody's-Berechnungen die Vorarlberger Hypo Spitzenreiter vor der Bank Austria (19), der Hypo Tirol (14) und der Bawag (elf Prozent). Beim Anteil an den Darlehen in Schweizer Währung in Osteuropa liegt hingegen die Erste vorn: Sie kommt auf 17 Prozent und rangiert damit deutlich vor RBI mit sieben Prozent.

Hohes Hypo-Obligo

Nicht in der Kalkulation enthalten ist das Südosteuropanetzwerk der Hypo Alpe Adria, die in der Region stark im Frankengeschäft ist. Das staatliche Institut hat bereits mehrere Prozesse gegen Kreditnehmer verloren. In Kroatien, Bosnien, Serbien und Montenegro sind hunderte Klagen anhängig.

Für Moody's stellt der Frankenanstieg eine Belastung für die Banken dar, weil das Anwachsen der Schulden die Rückführung der meist endfälligen Kredite erschwert. Die Agentur verweist auch auf die in Ungarn gesetzten Maßnahmen zur Beschränkung des Schadens auf Kundenseite, die von den Banken geschluckt wird. Überdies werden Anleihen in Franken thematisiert, die beispielsweise mit Immobilien besichert sind. Wenn die Sicherheit in Euro notiert, könnten bei einigen bedeckten Anleihen wie Pfandbriefen Lücken auftreten.

Der Fall vom Mount Everest kann tief sein. Nicht weich gelandet ist auch der Global Fund des Hedgefonds Everest Capital. Nach Fehlspekulationen mit Franken ging es steil bergab.

Korrektur: In einer früheren Ausgabe hieß es irrtümlich, dass der Euro-Wert des Franken-Kredits Niederösterreichs seit der Aufnahme um ein Drittel gestiegen sei. Es sind 50 Prozent.

(Andreas Schnauder, DER STANDARD, 20.1.2015)

  • Der Berg steht noch, den Hedgefonds Everest hat es hingegen erwischt.
    ap/osan

    Der Berg steht noch, den Hedgefonds Everest hat es hingegen erwischt.

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