Israels Angriff auf die Hisbollah: Eskalationsgefahr

Kommentar19. Jänner 2015, 18:00
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Es gibt keine Garantie, dass jegliche Reaktion ausbleiben wird

Ein neuer Krieg ist das Letzte, was der Nahe Osten noch braucht. Eine Eskalation zwischen der Hisbollah und Israel, das am Sonntag auf dem syrischen Golan Hisbollah-Kämpfer und einen iranischen Kommandanten tötete, könnte auch noch den Libanon zum Kippen bringen.

Die libanesische Innenpolitik ist momentan "eingefroren": Mühsam gelingt es, die auf der Straße ausgetragenen Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Gruppen - die sich auch in Syrien auf unterschiedlichen Seiten gegenüberstehen - aus der Verwaltung des Landes herauszuhalten. Es ist ein prekäres Gleichgewicht, das unter weiteren Belastungen zusammenzubrechen droht.

Die Krise um die Hisbollah-Präsenz auf dem Golan lag in der Luft. Dort engagieren sich die verschiedensten am Syrien-Krieg beteiligten Kräfte: Israel hat nicht nur die jihadistische Nusra-Front als Nachbarn, sondern sogar einen "Islamischen Staat"-Splitter. Nichts macht Israel jedoch solche Sorgen wie die schiitische Hisbollah - in Kombination mit ihren iranischen Sponsoren und deren Raketen.

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hat 2013 Israel gedroht, am Golan eine Front zu eröffnen, zuletzt hat er dies dementiert, doch mit dem Hinweis auf die neue Hisbollah-Superbewaffnung verbunden. Israel - im Wahlkampf - hat nun einen Warnschuss abgegeben. Die Überzeugung ist wohl, dass Hisbollah-Sponsor Iran momentan kein Interesse an einer Eskalation hat. Das ist aber keine Garantie dafür, dass jegliche Reaktion ausbleiben wird. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 20.1.2015)

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