Ex-Hypo kommt für Geldbußen gegen Manager auf

19. Jänner 2015, 17:52
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Die staatliche Hypo-Abbaugesellschaft Heta hat für die früheren Verwaltungsratsmitglieder der Tochter in Italien eine Million Euro an Verwaltungsstrafen bezahlt

Wien – Die Diskussion in der staatlichen Hypo-Abbaugesellschaft Heta, wer die saftigen Strafen für ehemalige Hypo-Manager in ihrer Funktion als Kontrollore der maroden Italien-Tochter zu zahlen hat, ist entschieden. Die Heta hat vor kurzem 1,041 Millionen Euro nach Italien überwiesen – für Strafbescheide, die die Banca d'Italia gegen insgesamt sechs Österreicher ausgestellt hat. Die italienischen Gesellschaften werden von jeher von österreichischen Hypo-Managern kontrolliert.

Ex-Verwaltungsratschef, Heta-Finanzchef Johannes Proksch, wurde von den Aufsehern zu einer Strafe von 330.110 Euro verdonnert, Ex-Hypo-Chef Gottwald Kranebitter zu 106.500 Euro, Rainer Sichert (heute Vorstand in der verkauften Südosteuropa-Bankenholding) zu 142.500 Euro. Der Rest der Strafe entfällt auf drei Hypo-Mitarbeiter.

Zu hohe Zinsen verrechnet

Grund für die Strafen: In den Italien-Töchtern der Hypo wurden den Kunden zehn Jahre lang zu hohe Zinsen verrechnet; die Sache flog 2013 auf. Inzwischen hat die Hypo die Kunden entschädigt, Kostenpunkt: rund 88 Millionen Euro. Die Aufseher von der Banca d'Italia führten eine Vor-Ort-Prüfung durch und stellten massive Mängel, etwa bei der Kreditvergabe, und diverse Verstöße gegen Vorschriften fest.

Es folgte ein Verwaltungsstrafverfahren gegen Vorstand und Verwaltungsrat, das nun eben entschieden ist. Der Chef der Bank, Lorenzo Di Tommaso, wurde im März 2013 entlassen; ein Strafverfahren gegen ihn und andere läuft, es gilt die Unschuldsvermutung. Di Tommaso hat nun zudem eine Verwaltungsstrafe von fast 390.000 Euro ausgefasst, sechs weitere Italiener wurden zur Kassa gebeten.

Strenge Auflagen

Die italienische Aufsicht hat der Hypo Italien nach ihrer Prüfung strenge Auflagen erteilt; auch der Lizenzentzug soll damals im Raum gestanden sein. Unter anderem haben die Aufseher Ende 2013 den Rücktritt des gesamten Verwaltungsrats verlangt, der damals von Proksch geführt wurde. Eine Forderung, der denn auch Folge geleistet wurde.

Die Frage, wer denn die Strafen bezahlen soll, beschäftigte die Hypo, die Ende 2014 zu einer Abbaugesellschaft umgewandelt wurde, länger. Zunächst war angedacht, die Manager selbst zahlen zu lassen. Sie argumentierten aber, dass sie von der Hypo entsendet worden seien, kein Geld für den Job bekommen hätten, nicht operativ in Italien tätig gewesen seien und mit den Malversationen nichts zu tun gehabt hätten. So argumentierte auch die Heta nach Abschluss des Prüfungsverfahrens: "Die Malversationen wurden von einer lokalen Gruppe in kollusiven Zusammenwirken begangen und waren für die Verwaltungsratsmitglieder auch nicht erkennbar." Zudem hätten die österreichischen Kontrollore die Machenschaften "aufgedeckt und alles unternommen, um die beiden betroffenen Institute zu stabilisieren".

Gutachten

Im Dezember nun hat der Heta-Aufsichtsrat einstimmig beschlossen, die Kosten zu tragen. Er stützt sich dabei auf zwei Gutachten, eines von der Hypo-Anwaltskanzlei Fellner Wratzfeld, eines von der Linzer Universitätsprofessorin Eveline Artmann. Beide haben laut Heta ergeben, dass die Hypo verpflichtet sei, die von ihr entsandten Manager schadlos zu halten. Die Manager haben Berufung eingelegt; bezahlt werden mussten die Strafen aber bereits. (Renate Graber, DER STANDARD, 20.1.2015)

  • Die Hypo Italien mit ihrer opulenten Zentrale in Udine hat gröbere Probleme.
    foto: archiv

    Die Hypo Italien mit ihrer opulenten Zentrale in Udine hat gröbere Probleme.

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