Österreich bei Franken-Krediten EU-weit Spitze

19. Jänner 2015, 12:59
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Großteil entfällt auf Privathaushalte, vor allem bei Häuslbauern erfreute sich der Frankenkredit großer Beliebtheit

Wien/Frankfurt - Bei Franken-Fremdwährungskrediten hat Österreich in der gesamten Europäischen Union (EU) die Nase vorn. Die absolute Höhe der von heimischen Banken in Schweizer Währung vergebenen Ausleihungen an Nicht-Banken ist hierzulande mit 35,6 Mrd. Euro unter allen Ländern am höchsten (Stand Frühjahr 2014), gefolgt von Polen mit 34,0 Mrd. und Frankreich mit 21,2 Mrd. Euro.

In Deutschland mit zehnmal so viel Einwohnern sind 14,9 Mrd. Euro an Franken-Krediten "draußen", in Ungarn 12,6 Mrd. Euro, in Griechenland 8,6 Mrd., in Luxemburg 5,7 Mrd., in den Niederlanden 3,1 Mrd. und in Italien 3,0 Mrd. Euro, geht aus Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) hervor. All diese Ausstände haben sich nun durch die Franken-Aufwertung schlagartig verteuert.

Rechnet man von der Österreich-Gesamtsumme von 35,6 Mrd. Euro die Darlehen an Gebietskörperschaften und NGOs weg, bleiben laut OeNB rund 29,5 Mrd. Euro (per November 2014). Davon entfällt mit 24,9 Mrd. Euro der Löwenanteil auf Kreditvergaben an Privathaushalte und 4,6 Mrd. Euro auf Firmenkredite in Schweizer Franken.

Ungarn vor Polen

Zählt man zu den 29,5 Mrd. Euro an Franken-Darlehen heimischer Banken auch die 13,7 Mrd. Euro an Franken-Kredite österreichischer Geldinstitute in Ost- und Südosteuropa hinzu, so kommt man laut OeNB auf eine Gesamtsumme von 43,2 Mrd. Euro. Mehr als ein Drittel der von heimischen Instituten im Osten vergebenen Franken-Kredite (13,7 Mrd. Euro) entfällt mit 4,3 Mrd. Euro auf Ungarn, gefolgt von 2,9 Mrd. Euro in Polen und 2,6 Mrd. Euro in Kroatien.

Von den insgesamt 315,5 Mrd. Euro, die in Österreich mit Stand Frühjahr 2014 von heimischen Geldinstituten als Kredite an inländische Nichtbanken vergeben waren, entsprechen die 35,6 Mrd. Euro einem Franken-Kreditanteil von rund einem Achtel (12,8 Prozent). Zum Vergleich: Das Yen-Kredit-Obligo betrug Ende März vorigen Jahres bei den heimischen Nichtbanken nur 1,5 Mrd. Euro.

Franken-Kredite erfreuten sich vor allem bei Häuslbauern großer Beliebtheit, regional gesehen am höchsten ist die Dichte in Vorarlberg und Tirol. Seit dem Verbot von Fremdwährungskrediten für private Haushalte, das im Oktober 2008 die Finanzmarktaufsicht (FMA) verhängte, wurde das aushaftende Volumen um 45 Prozent zurückgefahren. Anfang 2009 hatten noch 270.000 Haushalte einen Fremdwährungskredit, zuletzt nur noch knapp 154.000. (APA, 19.1.2015)

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    grafik: apa
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