Ringen um KZ-Gedenkstätte in St. Georgen

19. Jänner 2015, 12:22
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Nach Petition gegen Wohnsiedlung bei ehemaligem KZ-Stollen ziehen Initiatoren und Gemeinde an einem Strang

St. Georgen/Gusen - In St. Georgen an der Gusen (Bezirk Perg) geht das Ringen um die Schaffung einer KZ-Gedenkstätte weiter. Nach einer Petition gegen Pläne, in der Nähe des ehemaligen KZ-Stollens "Bergkristall" eine Wohnsiedlung zu errichten, ziehen jetzt deren Initiatoren und die Gemeinde an einem Strang, ist einer gemeinsamen Presseaussendung am Montag zu entnehmen.

Im KZ St. Georgen, einem Außenlager von Mauthausen, waren mindestens 71.000 Menschen aus 27 Nationen interniert, mehr als die Hälfte kam zu Tode. Allein das Projekt "Bergkristall" - der Bau einer acht Kilometer langen Stollenanlage zur unterirdischen Flugzeugproduktion - kostete mehr als 8.600 Häftlingen das Leben. Ein Großteil der Gänge wurde mittlerweile aus Sicherheitsgründen verfüllt.

1989 gab es die ersten Ideen für einen Gedenkplatz. Doch die Grundstücke rund um die Stollenanlage waren in Privatbesitz einer Familie, die den dortigen, Ende des 18. Jahrhunderts begonnenen Sandabbau weiter betrieb. Dabei wurden Stollen freigelegt und zerstört. Ein Teil der Flächen, die für einen Gedenkort infrage kommen, ist im Besitz der Gemeinde oder wurde von dieser erworben. Im Gegenzug wurde eine weitere Fläche in Wohngebiet umgewidmet und ein Bebauungsplan für das gesamte Areal erstellt, heißt es in der gemeinsamen Aussendung. Das stellt laut Gemeinde den maximal erzielbaren Kompromiss dar. Die Umsetzung dieses Vorhabens ist zwar nicht im Sinne der Verfasser der Petition. Sie argumentieren, man solle das historische Areal nicht einfach verbauen, das sei nicht gut für das Ansehen der Gemeinde. Doch stehe die erste Bauetappe, für die bereits eine Baubewilligung besteht, außer Streit.

Untersuchung des Bodens verlangt

Zudem wies ein Gusen-Gedenkkomitee auf "viele neue Fakten" hin, die im Zuge von Recherchen für eine Film-Dokumentation aufgetaucht seien: Gerüchte um Atomversuche der Nazis in den Stollen des ehemaligen KZ und die Existenz unbekannter Gänge des Projektes "Bergkristall". Deshalb wird auch eine Untersuchung des Bodens verlangt.

Für die weiteren Schritte ist man nun übereingekommen, eine intensive Diskussion mit starker Bürgerbeteiligung und unter Einbeziehung aller Interessierten zu führen. "Das gemeinsame Ziel ist es, eine nachhaltige Erinnerungskultur zu schaffen", betonen die Verfasser der Petition und der Gemeinde. Das Land Oberösterreich und die Republik Österreich werden aufgefordert, auch ihren Teil der Verantwortung für die Schaffung eines würdigen Gedenkortes zu übernehmen. Demnächst soll eine gemeinsame Informationsveranstaltung für Interessierte organisiert werden. (APA, 19.1.2015)

  • Der noch begehbare Teil von "B8 Bergkristall"  in St. Georgen an der Gusen.
    foto: gedenkdienstkomitee gusen

    Der noch begehbare Teil von "B8 Bergkristall" in St. Georgen an der Gusen.

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