"Charlie Hebdo"-Chefredakteur kritisiert Feigheit westlicher Medien

18. Jänner 2015, 18:20
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Für Nicht-Veröffentlichung der Mohammed-Karikatur vom Titelblatt der neuen Ausgabe

Washington/Paris - Der Chefredakteur des französischen Satire-Magazins "Charlie Hebdo", Gerard Biard, hat westliche Medien kritisiert, die das Titelblatt der jüngsten Ausgabe mit einer Mohammed-Karikatur nicht veröffentlicht haben.

Wenn Zeitungen in totalitären Staaten so handelten, sei es ihnen nicht zu verübeln, da ihren Mitarbeitern andernfalls Gefängnis oder gar Tod drohe, sagte Biard in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview des US-Senders NBC News. Mit Medien in Demokratien verhalte sich das anders.

"Diese Karikatur ist nicht einfach eine kleine Figur, ein kleiner Mohammed, der von Künstlern gezeichnet wurde", betonte Biard. "Sie ist ein Symbol, ein Symbol für die Meinungsfreiheit, die Religionsfreiheit, für Demokratie und Säkularismus (...) Es ist dieses Symbol, das sie sich weigern zu veröffentlichen."

Titelblatt praktisch in allen österreichischen Medien

NBC News gehört zu den Medien, die sich dafür entschieden haben, das Titelblatt nicht zu zeigen, ebenso wie viele andere US-Medien. In Österreich veröffentlichten praktisch alle Tageszeitungen die Titelseite der ersten Ausgabe nach dem islamistischen Anschlag auf die Pariser "Charlie-Hebdo"-Redaktion. Es zeigt eine Karikatur mit dem trauernden Propheten Mohammed, der ein Schild mit dem Solidaritäts-Slogan "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie) in Händen hält. Die Veröffentlichung der Karikatur wenige Tage nach dem Terroranschlag auf das Magazin mit zwölf Toten hat in Teilen der islamischen Welt gewalttätige Proteste ausgelöst.

Biard wandte sich entschieden dagegen, das Blatt als Provokateur anzuprangern. "Wir sind keine Krieger", sagte er. "Wir haben niemanden getötet. Wir dürfen Denker und Künstler nicht in dieselbe Kategorie einordnen wie Mörder (...). Wir müssen damit aufhören zu erklären, dass jene, die schreiben und zeichnen, Provokateure sind, die Benzin ins Feuer gießen." (APA, 18.1.2015)

  • Gerard Biard.
    foto: apa/epa/yoan valat

    Gerard Biard.

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