Musikproduzent Kim Fowley gestorben

18. Jänner 2015, 17:05
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Zum Tod des exzentrischen Musikers und Produzenten, des "Lord of Garbage"

Wien / Los Angeles - Es begann mit einer Reise, und wie jede Reise ging auch diese zu Ende. Kim Fowley ist tot. Der Musiker, Songwriter und Produzent veröffentlichte in den 1960er-Jahren die Single "The Trip". Das war keine Aufforderung, seine Heimat, die USA, zu bereisen, sondern eine, sie zu verlassen. Wenigstens für ein paar Stunden. Es war die Zeit des Vietnamkrieges, der Bürgerrechts- und der beginnenden Hippie-Bewegung und vor allem jene der Drogen. So ein Trip war gemeint.

Kim Vincent Fowley kam am 21. Juli 1939 in Los Angeles auf die Welt. Seine Eltern waren Schauspieler, er selbst betrat das Showgeschäft schon als Teenager. Mit 20 hatte er mit dem Novelty Song "Alley Oop" einen Nummer-eins-Hit, seine Songs wurden von Bands wie Paul Revere und dessen Raiders in die Charts gebracht. Größte Bekanntheit brachte ihm seine Zusammenarbeit mit der Glam-Rock-Girlie-Band The Runaways ein, deren Manager er war.

Als ständig Suchenden trieb ihn das Leben für Jahre nach London oder nach Australien, wo er sich auf die Suche nach neuen Beatles oder Abba gemacht hatte. Der schillernde Exzentriker galt als ein Brückenbauer zwischen Garagenrock, Psychedelic, Glamrock und Punk, wobei er als vom Unterhaltungsgeschäft geprägter Charakter so gut wie alles machte, was einen schnellen Dollar versprach. Dementsprechende Haken schlug seine Karriere.

Fowley schrieb Songs für Kiss, Alice Cooper, Slade oder Kris Kristofferson. Er produzierte für den Rock 'n' Roller Gene Vincent dessen "I'm Back and I'm Proud" und gemeinsam mit John Cale das Debüt der Proto-Punk-Band The Modern Lovers; obwohl seine Songs letztlich nicht auf dem Album landeten. Weiters produzierte er so verschiedene Künstler wie Vicky Leandros oder The Leather Nun, Songs für den New-Hollywood-Film "American Graffiti" oder zuletzt für den wirren Hipster Ariel Pink.

In den 1980ern wurde er von Bands wie Sonic Youth neu entdeckt, die seinen Song "Bubblegum" coverten. Sein Werdegang pendelte zwischen obskuren Bands und großen Stars, richtig Halt fand er weder da noch dort. In Fowleys Autobiografie "Lord of Garbage"
erklärt er, dass er meist das Interesse an Bands verlor, wenn diese sich zu wiederholen begannen.

Sein eigener Katalog umfasst rund zwei Dutzend Alben von wechselnder Qualität. "International Heroes" aus 1974 gilt allgemein als sein bestes. Darauf positioniert er sich als eine Art zweiter David Bowie -, was schon das Cover-Artwork verdeutlichte, auf dem er aussieht wie dessen verkaterter Zwillingsbruder. Nun erlag Kim Fowley mit 75 einem Krebsleiden. (Karl Fluch, DER STANDARD, 19.1.2015)

  • Liebte die extravagante Pose und Inszenierung: Musiker und Produzent Kim Fowley.
    foto: norton-records

    Liebte die extravagante Pose und Inszenierung: Musiker und Produzent Kim Fowley.

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