Kleinschulen: Platter und Wallner stellen sich gegen Mindestgröße

18. Jänner 2015, 09:19
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Wallner zu Heinisch-Hosek: "Einen derartigen Vorschlag kann ich nicht ernst nehmen"

Innsbruck/Wien/Bregenz - Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hat am Sonntag der von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) vorgeschlagenen Mindestanzahl von rund 300 Schülern pro Schule in der Sekundarstufe eine Absage erteilt. Dieser "fragwürdige zentralistische Vorschlag" wäre ein "Kahlschlag für den ländlichen Raum", erklärte Platter einer Stellungnahme.

Die aktuelle Debatte ist laut Platter einmal mehr Beweis dafür, dass Lehrerverwaltung und Schulinfrastruktur bei den Ländern besser aufgehoben sind. Der Bund solle sich nurmehr auf die bildungspolitischen Ziele konzentrieren: "Wenn das Zusperren beinahe aller Neuen Mittelschulen (NMS) in Tirol das einzige ist, was der zuständigen Ministerin angesichts sinkender Schülerzahlen einfällt, dann ist es höchste Zeit, dass die Länder die Sache selbst in die Hand nehmen."

Übernahme der Bundeslehrer

Vor allem die ÖVP-geführten Länder hatten in der Vergangenheit wiederholt die Kompetenz in Fragen der Schulverwaltung gefordert, also beispielsweise die Übernahme der Bundeslehrer. Tirol sei dazu bereit, so Platter, denn bereits jetzt finanziert das Land beispielsweise 100 zusätzliche Lehrer, weil der Bund seiner Verpflichtung nicht nachkomme.

Würde in Tirol dem Vorschlag Heinisch-Hoseks Folge geleistet, dann könnten nach aktuellem Stand lediglich drei NMS diese Hürde nehmen. "Angesichts dieser Zahlen kann ich den Vorschlag gar nicht ernst nehmen", sagte Platter. Die Voraussetzungen in Wien und Tirol seien nicht zu vergleichen. Wohnortnahe Schulen seien nicht nur ein Vorteil für die Kinder, sondern auch für viele Eltern wesentlicher Entscheidungsgrund bei der Wohnortwahl.

Vorarlberg dagegen

Auch für den Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) ist Heinisch-Hoseks Vorschlag nicht akzeptabel. In Vorarlberg müssten demnach drei Viertel der Haupt- und Mittelschulen geschlossen werden. Einen derartigen Vorschlag könne er nicht ernst nehmen, so Wallner in einer Aussendung.

Es sei erstaunlich, welche Unkenntnis über die Situation von Kleinschulen in Vorarlberg herrsche, so der Landeshauptmann. Er betrachte den Erhalt dieser Schulen als wichtige Investitionen in die Zukunft der Kinder auf dem Land und den Erhalt des ländlichen Raums insgesamt. Die Frage nur aus dem Blickwinkel der Kosten zu betrachten, zeuge von einem sehr kurzsichtigen Ansatz. Man müsse jede Schule einzeln betrachten und keine "willkürliche Grenze" einführen. (APA, 18.1.2015)

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