Schweizer Radikalkur beschert Banken Verluste

17. Jänner 2015, 11:24
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SNB-Chef Thomas Jordan erklärt den radikalen Kurswechsel für alternativlos, zahlreiche Banken erleiden kräftige Verluste

Genf - Die Schweizer Notenbank (SNB) hat ihren radikalen Kurswechsel im Kampf gegen einen zu starken Franken verteidigt. Er sei sich zwar bewusst gewesen, dass die überraschende Abkehr vom Mindestkurs zum Euro die Schweizer Wirtschaft vor Probleme stelle und die Finanzmärkte einige Zeit bräuchten, um sich von dem Schock zu erholen, sagte SNB-Chef Thomas Jordan der "Neuen Züricher Zeitung" am Freitag.

Der Schritt sei aber angesichts des anhaltend fallenden Euro nötig gewesen, um langfristig die Kontrolle über die Geldpolitik zu behalten. Denn die internationale Entwicklung sei auseinandergedriftet. Immer mehr Geld aufzuwenden, um den Mindestkurs von 1,20 Franken zu halten wäre nicht nachhaltig gewesen und hätte die Glaubwürdigkeit der Notenbank aufs Spiel gesetzt, sagte Jordan. Da sei es besser, Kritik auf sich zu nehmen. Zumal es von Anfang an klar gewesen sei, dass der Mindestkurs lediglich eine zeitweilige Ausnahme gewesen sei. Die heftigen Marktreaktionen bezeichnete Jordan als überzogen.

Schweizer Börse leidet weiter

Die Notenbank hatte am Donnerstag den seit etwa drei Jahren geltenden Mindestkurs abgeschafft und die Märkte schockiert. Die Schweizer Börse verlor am Donnerstag knapp neun und am Freitag nochmals sechs Prozent. Der Euro fiel am Freitag zeitweise auf ein Elf-Jahres-Tief von 1,1459 Dollar. Börsianer kritisierten, dass sich die SNB noch kürzlich zum Mindestkurs bekannt habe.

Die radikale Entscheidung der SNB hat laut einem Zeitungsbericht auch der Deutschen Bank massive Verluste eingebrockt. Etwa 150 Millionen Dollar (130 Mio. Euro) Einbußen stünden Deutschlands größtem Geldhaus bevor, berichtete das "Wall Street Journal" in der Nacht auf Samstag unter Berufung auf eingeweihte Kreise.

Dem US-Bankenriesen Citigroup würden Verluste in gleicher Größenordnung entstehen. Auch die britische Großbank Barclays und einige Hedgefonds sollen kräftig Geld verloren haben. Die Deutsche Bank war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. (APA/Reuters, 17.1.2014)

  • Wechselwillige mussten sich am Freitag geduldig zeigen. Vor allem in Grenzregionen wollten zahlreiche Menschen Euros, um zu den "billigeren" Nachbarn einkaufen zu fahren oder gehen.
    foto: ap/trezzini

    Wechselwillige mussten sich am Freitag geduldig zeigen. Vor allem in Grenzregionen wollten zahlreiche Menschen Euros, um zu den "billigeren" Nachbarn einkaufen zu fahren oder gehen.

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