Tourismusberater: "Klimawandel belohnt die Pioniere"

16. Jänner 2015, 17:51
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Mountainbiken und Wandern statt Skifahren und Eislaufen

Wien - Winter ohne Schnee und Temperaturen, die zu Weihnachten Frühlingsgefühle aufkommen ließen: Für Touristiker, die dem Prinzip "weiter wie bisher" huldigen, ist das schwerverdauliche Kost. Es gibt auch Gegenmeinungen. Einer, der gegen den Strich bürstet, ist Michael Regner, Gründungspartner von MRP Hotels.

"Ich teile die Befürchtung nicht, dass es unweigerlich einen starken Rückgang bei den Nächtigungen geben muss, wenn der Schnee ausbleibt," sagte Regner dem Standard. Nachsatz: "Sofern ein Betrieb, eine Region gegensteuert." Ein Hotelier allein könne wenig bewegen; viele Hoteliers könnten mithilfe der Politik und anderer Tourismuseinrichtungen den vermeintlichen Nachteil in einen Vorteil münzen. Regner: "Der Klimawandel belohnt die Pioniere und bestraft jene, die nicht reagieren."

Klimawandel kostet 8,8 Milliarden

In einer am Donnerstag präsentierten Studie zu den Folgen des Klimawandels bezifferte Karl Steininger von der Universität Graz die jährlichen Kosten für Österreich mit bis zu 8,8 Milliarden Euro. Durch Anpassungsmaßnahmen könnten die Kosten auf 3,3 Milliarden pro Jahr sinken. Von der Klimaerwärmung besonders betroffen sei der Wintertourismus. Dieser könne längerfristig wohl nur mehr in hohen Lagen stattfinden. Betrieben wird geraten, sich Alternativangebote zum Skifahren zu überlegen.

"Es gibt mehr und mehr Menschen, die auch jetzt schon einen Winterurlaub buchen, ohne Ski zu fahren," sagte Regner von MRP, einer Hotel- und Tourismusberatung. "Die montieren ihr Mountainbike aufs Dach, gehen wandern, setzen sich in eine Hütte." Nicht nur das Klima, auch die Gesellschaft sei im Wandel begriffen. Regner: "Tourismus vor 40 Jahren war auch anders als heute."

Seilbahner wollen Schnee

Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich, sieht zum Schnee keine Alternative. "Sicher kann man Mountainbiken und wandern. Damit komme ich aber nicht auf die acht Millionen Nächtigungen, die wir im vergangenen Winter allein im Zillertal hatten. Und natürlich auch nicht auf die Einnahmen", sagte Hörl.

Die Branche, die jedes Jahr 500 bis 600 Mio. Euro investiert, will an ihrer Strategie festhalten: Noch mehr in die Schneeerzeugung investieren, die Anlagen effizienter machen, das Angebot verbreitern.

Ob der Umsatz aus dem vorigen Winter (1,2 Milliarden Euro) heuer wieder erreicht werden wird, steht indes in den Sternen. Zu holprig war der Saisonstart. Hörl: "Wie sind glücklich, wenn wir das wieder schaffen." (Günther Strobl, DER STANDARD, 17.1.2015)

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