Nachwehen der Franken-Freigabe: Freud und Leid 

16. Jänner 2015, 17:37
83 Postings

Zwei Devisenbroker wurden zu Opfern der Freigabe des Frankenkurses. In der Schweiz ist die Nachfrage nach günstigen Euros markant gestiegen

Wien - Nicht nur die Finanzmärkte standen am Freitag weiter im Bann der Franken-Freigabe, auch die Konsumenten in der Schweiz versuchten, das Beste aus der Situation zu machen. Die einen freuten sich über sinkende Preise an den Tankstellen, von denen einige prompt umstellten, die anderen nutzten die "alten" Preise an Automaten. Bei der Schweizer Bahn beispielsweise kann man Tickets an Automaten auch in Euro bezahlen, und die waren aus lokaler Sicht dann bedeutend billiger als am Vortag. Seit Samstag sind die Geräte umprogrammiert und rechnen den Franken eins zu eins zum Euro um.

Auch Bilder, die man eher aus Lettland und Zypern kennt, waren ungewohnterweise in der Schweiz zu sehen. Vor einigen Banken bildeten sich Schlangen. Insbesondere Grenzgänger wechselten ihre Franken-Bestände und fuhren damit satte Gewinne ein. Andere wollten sich für eine günstige Shopping Tour im EU-Ausland eindecken. Allerdings gelang das nicht überall: "Nous n'avons plus d'Euro", machte beispielsweise eine Bank in einer Waadtländer Filiale nahe der französischen Grenze die Kunden darauf aufmerksam, dass die Gemeinschaftswährung ausverkauft ist. Kein Einzelfall: Auch Migrosbank und Zürcher Kantonalbank mussten manche Kunden nach Hause schicken, andere Banken rationierten die Auszahlungen in der Fremdwährung. Die Kantonalbank Basel etwa zahlte nur 1000 Euro pro Kunde aus. Auch viele Automaten spuckten keine Gemeinschaftswährung aus.

Voll erwischt

Während kleinere Leiden und Freuden in der Schweiz eng beieinanderlagen, hat es international ein paar Devisenhändler voll erwischt. Der britische Währungshändler Alpari wurde gar zahlungsunfähig. Bei einer Mehrheit der Kunden überstiegen die Verluste ihr eingezahltes Kapital. Bei Kunden, die die Lücke nicht stopfen konnten, gingen die Verluste auf den Broker über. Dies habe Alpari (UK) Limited gezwungen, Insolvenz anzumelden", teilte das Unternehmen mit, das durch Sponsoring des Fußballklubs West Ham United Bekanntheit erreicht hat. Inzwischen hat sich die britische Finanzmarktaufsicht eingeschaltet und arbeitet einem Sprecher zufolge eng mit der Firma zusammen.

In Neuseeland geriet die kleine Devisenhandelsbank Global Brokers NZ nach den von der Schweizer Nationalbank (SNB) ausgelösten Kursturbulenzen am Devisenmarkt ins Visier der Bankenaufsicht. Das Unternehmen teilte mit, Verluste bei Kunden mit Franken-Positionen hätten das Kapital der Bank so vermindert, dass sie die Eigenkapitalanforderungen nicht mehr erfüllen könne. Die Financial Market Authority (FMA) prüfe nun, ob die Einlagen der Kunden bei Global Brokers noch sicher seien, sagte ein Sprecher.

Die an der New Yorker Börse gelistete Devisenhandelsfirma FXCM berichtet, ihre Kunden hätten Verluste von umgerechnet insgesamt 225 Millionen Dollar eingefahren. Darauf habe die Gesellschaft möglicherweise Kapitalanforderungen der Regulatoren verletzt. Die Verluste werfen Fragen zur Zukunft des riskanten Devisenhandels für Kleinanleger auf. Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zufolge entfallen fast vier Prozent des täglichen Devisenhandelsvolumens von fast zwei Billionen Dollar auf diese Marktteilnehmer.

Aber nicht nur Kleinanleger und ihre Broker litten unter dem SNB-Entscheid, auch Hedgefonds und andere Großanleger holten sich eine blutige Nase. Daten einer US-Aufsichtsbehörde zufolge hatten Anleger unter dem Strich 3,5 Mrd. Dollar auf einen fallenden Franken gesetzt - der höchste Stand seit Juni 2013. (as; Reuters, DER STANDARD, 17.1.2015)

Share if you care.