Deutsche Telekom prüfte Kauf von KPN weiterhin

16. Jänner 2015, 15:56
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Deal wurde wegen möglicher Widerstände abgesagt - Insider: Pläne nicht endgültig beerdigt

Die Deutsche Telekom hat voriges Jahr Finanzinsidern zufolge eine Übernahme des niederländischen Telekom-Konzerns KPN durchgespielt. Das Unternehmen habe den Kauf von KPN im Herbst geprüft, die Pläne aber wegen der sich anbahnenden Verkaufsgespräche über die Großbritannien-Tochter EE auf Eis gelegt, sagten drei mit der Situation vertraute Personen am Freitag zu Reuters.

Idee nicht vom Tisch

Die Offerte sei nicht weiter vorangetrieben worden, da befürchtet worden sei, dass die niederländische Regierung sich gegen eine Übernahme des ehemaligen Staatsmonopolisten KPN wehren könnte, sagte eine andere Person. Offen ist, ob die Deutsche Telekom mit KPN Verhandlungen aufgenommen hatte. Und endgültig beerdigt sei die Idee nicht, sagte ein Insider. "Wenn der EE-Deal abgeschlossen ist, könnte die Telekom die Pläne wieder aus der Schublade holen." Beide Unternehmen wollten sich nicht dazu äußern. Die Titel von KPN legten nach der Reuters-Meldung zeitweise um vier Prozent zu.

Für die Deutsche Telekom würde ein solcher Deal Sinn ergeben. Der Telefonriese ist in den Niederlanden bisher nur mit der Mobilfunktochter T-Mobile vertreten, die auf dem Markt an dritter Stelle rangiert. Mit KPN könnten die Deutschen auf einen Schlag Mobilfunk, schnelles Internet und Fernsehen offerieren. Marktexperten gehen davon aus, dass Kunden diese Dienste künftig verstärkt nur von einem Anbieter beziehen wollen. Da KPN aber bereits den Mobilfunkmarkt dominiert, würde eine Transaktion die niederländischen Kartellwächter auf den Plan rufen.

KPN derzeit günstig zu haben

Wegen eines Kundenexodus und rückläufiger Gewinne verlor das Unternehmen an der Börse in den vergangenen drei Jahren die Hälfte des Werts und kostet derzeit 10,8 Milliarden Euro. Der Schuldenberg beläuft sich auf 6,1 Milliarden Euro. Um bei KPN das Sagen zu haben, müsste die Deutsche Telekom sich mit Großaktionär Carlos Slim einigen. Der Telekom-Milliardär hält über die Firma America Movil 24,8 Prozent an KPN. Jedoch soll Slim geneigt sein, zu verkaufen, sagte einer der Insider. In Österreich hat Slim im Vorjahr die Mehrheit an der Telekom Austria übernommen. (APA/Reuters, 16.1.2014)

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