Wortkunde: Rauch

Kolumne17. Jänner 2015, 17:00
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Tschickparadies adieu! Das Zukunftsmotto für Österreichs Gasthäuser heißt: Ohne Rauch geht’s auch

Nach dem Krebstod von Kurt Kuch mehren sich die Bestrebungen, dem "Raucherparadies" Österreich den Garaus zu machen. Fürderhin sollen in Gaststätten nur noch Frittatensuppe, Leberkäs und andere heiße Speisen rauchen dürfen, nicht aber die Tschickliebhaber. Kurzum: Den Rauchern drohen Einschränkungen, dass es nur so raucht.

Sollte der Nichtraucher-Ukas Wirklichkeit werden, würden wir uns sprachlich quasi in die Vorvergangenheit zurückbewegen: Bevor man das Verb "rauchen" transitiv, also mit einem Objekt – Pfeife, Zigarre etc. – verwendete, rauchte nur das, was von sich aus Rauch von sich gab: Schornsteine, Öfen usf. Bis ins späte 17. Jh. "rauchte" man Tabak auch nicht, man "trank" ihn. Und lange vor den Tabakrauchern gerieten schon die Tabaktrinker häufig ins Visier gesundheitsbedachter Obrigkeiten.

Der Rauch – das Wort hängt etymologisch mit "riechen" zusammen – ist vielen Redewendungen Pate gestanden, sei es als Symbol für das Flüchtige ("Namen sind Schall und Rauch") oder als Indikator für das Feuer, ohne das es den Rauch angeblich nicht gibt. Vom Regen in die Traufe zu kommen ist dasselbe wie "den Rauch fliehen und ins Feuer fallen" (Röhrich, Sprichwörtliche Redensarten). "Rauch" steht zudem für "Streit": "Es raucht im Haus" heißt "Es herrscht Zank und Unfrieden". Hoffentlich werden die Streithanseln dann nicht auch noch handgreiflich und rauchen aus Wut dem andern eine an: ein wienerischer Ausdruck für "eine Ohrfeige verpassen". (win, DER STANDARD, 17./18.1.2015)

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    foto: ap/chris pizello
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