Geldhungrige Zentrifuge

16. Jänner 2015, 17:13
posten

Jochen Höller widmet sich in der Galerie Mauroner dem, was die Welt regiert

Wien - Geld hat man oder nicht. Damit ist für einige Menschen die Philosophie des Geldes auch schon abgeschlossen. Das Entweder-oder führt aber geradewegs zum Symptom der Geldwirtschaft: In der Moderne sei das Geld immer mehr zum Selbstzweck geworden, schrieb Soziologe Georg Simmel bereits im Jahr 1900 in seinem Hauptwerk. Sogar das Selbstwertgefühl des Menschen und seine Lebenseinstellungen würden durch Geld bestimmt: "Geld wird Gott."

Für Jochen Höller (geb. 1977) sind Bücher - oder konkret Simmels Philosophie des Geldes - aber nicht nur Lektüre, sondern auch Material. Für Geldspirale II (2014), eine Art collagierte Schlange, hat der Künstler penibelst alle Geldwörter aus dem Text gelöst: eine vielfältige "Geldkultur", die vom "Geldgebilde" übers "Ehegeld" bis zum "Geldhunger" führt.

Viel überzeugender allerdings als Höllers Collagen, die fast in der gleichen Abstraktionsstufe verharren wie die Wörter selbst, sind seine ebenfalls in der Galerie Mauroner präsentierten Objekte. "Ich muss in die dritte Dimension", sagt er über die nun stärkere skulpturale Qualität. Gut ist, dass sich die Begriffe in neue Bilder verwandeln, die über engere Wortbedeutungen hinausweisen.

So hat Höller, der Ethik in der Ökonomie vermisst, etwa aus verschiedensten Büchern zum Thema Geld - darunter die "Bibel" der Ökonomen, John Maynard Keynes Vom Gelde - eine Geldschleuder (2014) gebaut. In dieser symbolischen Zentrifuge schleuderte er quasi 25.000-mal das Wort "Geld" heraus; es manifestiert sich unten als kleines Papierhäufchen. Auch der Ratgeberliteratur zum Reichwerden (" Null Informations-, hoher Unterhaltungswert") hat sich Höller mit viel Witz angenommen. Seine Höllenmaschine stellt daraus ein neues Buchsubstrat her - freilich völliger Nonsens.

Erfrischend auch das Budgetloch, das sich hinter Buchdeckeln zum Thema Staatsbankrott verbirgt. Solche Wort-Bild-Spielereien droht jedoch die Gefahr der Inflation. In der Fülle nützen sie sich ab. (Anne Katrin Feßler, Album, DER STANDARD, 17./18.1.2015)

Bis 14.2., Galerie Mario Mauroner

Weihburggasse 26,1010 Wien

  • Geld ist nur Papier, heißt es: Der Extrakt von Jochen Höllers "Geldschleuder" ist ein winziges Papierhäufchen.
    foto: jochen höller

    Geld ist nur Papier, heißt es: Der Extrakt von Jochen Höllers "Geldschleuder" ist ein winziges Papierhäufchen.

Share if you care.