Drama auf Flüchtlingsschiff vor Spanien: Insassen ins Meer geworfen

16. Jänner 2015, 12:09
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Gebete von nigerianischem Priester führten zu Raufhandel und Toten

Madrid/Rom - Nach einem Drama an Bord eines Flüchtlingsschiffes mit mehr als 20 Toten hat die spanische Polizei zwei Kameruner festgenommen. Die beiden Männer stehen im Verdacht, sieben bis zehn Insassen des Bootes vor der südspanischen Mittelmeerküste ins Meer geworfen zu haben.

Das Schiff war nach Medienberichten im Dezember 2014 mit mehr als 50 Afrikanern an Bord von Nador im Norden Marokkos losgefahren und vor der Küste der spanischen Stadt Almeria in einem Sturm in Seenot geraten. 29 Flüchtlinge konnten gerettet werden. Wie die Ermittler mitteilten, war während des Unwetters unter den Insassen ein Streit ausgebrochen.

Der Auslöser seien die Gebete eines nigerianischen Priesters gewesen. Die Kameruner machten den Geistlichen nach diesen Angaben für die Verschlechterung der Witterungsbedingungen verantwortlich. Sie hätten den Priester und andere Bootsinsassen ins Meer gestoßen, hieß es. Die genaue Zahl konnte nicht ermittelt werden. Die Polizei legt den Festgenommenen mehrfachen Totschlag zur Last. Eine nicht bekannte Anzahl weiterer Flüchtlinge, darunter sieben Kinder, wurde von den Wogen ins Meer gerissen und ertrank. Die Zeitung "El Pais" bezifferte die Zahl der Toten auf insgesamt 28.

Italienische Marine rettete 490 Migranten

Ein Schiff der italienischen Marine, die sich an der Mittelmeer-Mission der EU-Grenzschutzagentur Frontex "Triton" beteiligt, hat unterdessen in der Nacht auf Freitag in libyschen Gewässern zwei Boote mit elf und 175 Migranten an Bord in Sicherheit gebracht.

An Bord nahm das italienische Marineschiffe Libra auch weitere 204 Flüchtlinge, die zuvor schon gerettet worden waren. An Bord des Marineschiffes, das in Richtung Sizilien unterwegs ist, brachte eine Somalierin einen Buben zur Welt.

In Italien sind 2014 170.081 Migranten eingetroffen. Das sind drei Mal so viele wie im Zeitraum 2012 bis 2013, als 56.192 Flüchtlinge die süditalienische Küste erreicht hatten, berichtete die Stiftung Migrantes bei einer Pressekonferenz in Rom. Die meisten Flüchtlinge - 120.239 Personen - erreichten Sizilien, 22.673 Kalabrien, 17.546 Apulien und 9.351 Kampanien. (APA, 16.1.2015)

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