Salzburg: Skitour mit Fenster zum Abersee

16. Jänner 2015, 16:05
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Die Bleckwand ist für das Felsenfenster "Ofenloch" bekannt. Die eigentliche Attraktion für Skitourengeher ist aber die Vielzahl an Varianten, die der Berg bietet

Wie ist das jetzt? Der Wolfgangsee heißt gar nicht so, sondern Abersee? Tatsächlich gibt sich jeder, der mit der Bezeichnung Abersee nichts anfangen kann, schnell als Nicht-Einheimischer zu erkennen. Im Salzburgischen ist der Name Abersee jedenfalls geläufig. Er ist auch wesentlich älter als das christliche St. Wolfgang.

Famoser Aussichtsberg

Die Chronisten wissen jedenfalls vom Heiligen Wolfgang zu berichten, der "einen kleinen Ort am Abersee" zu einer der wichtigsten Pilgerstätten des 15. und 16. Jahrhunderts machte. Heute ist das St. Wolfgang. Der Abersee ist auch bestimmendes Element für die gegenüber von St. Wolfgang gelegene Bleckwand. Zwar nur 1.541 Meter hoch, aber Sommer wie Winter ein famoser Aussichtsberg mit Blick auf den See. Der Blick durch das "Ofenloch" genannte Felsenfenster am Nordwestrücken auf den See und die umliegenden Salzkammergutberge ist schlicht spektakulär.

foto: thomas neuhold
Nur für Schwindelfreie: Das Felsenfenster der Bleckwand.

Und die Bleckwand ist ein guter Skiberg obendrein. Sie gehört zu den begehrten Tourenzielen, die südlich des Abersees wie auf einer Perlenschnur aufgereiht sind: Pillstein, Zwölferhorn, Breitenberg, Rettenkogel. Der auf den ersten Blick störend wirkende hohe Waldanteil dieser Touren ist oft ein Segen. Im Hochwinter bleibt der Schnee vor allzu viel Windeinfluss verschont und so der Pulver länger erhalten.

Route mit Varianten

Dass der Berg trotz geringer absoluter Höhe seine Tücken hat, zeigt ein Blick in die Bergrettungschronik: Im Sommer 2001 ist der damalige Voest-Alpine-Chef Peter Strahammer bei einer Bergwanderung an der Nordkante der Bleckwand tödlich verunglückt. Nahe der Schartenalm an der Ostseite des Berges erinnert heute eine Gedenkstätte an den Unfall.

Dass die Bleckwand für die Fellgeher so attraktiv ist, liegt natürlich nicht nur an der Aussicht oder an der Riesensanduhr "Ofenloch". Die Skibergsteigergemeinde schätzt vor allem den Variantenreichtum. Die Hauptroute führt vom malerischen Hof Vitz am Berg - mit einer sehenswerten Hauskapelle - entlang der im Winter gesperrten Mautstraße bis vor den Pracklgraben und dann ostwärts entlang der Sommermarkierung über die Bleckwandalmen und die gleichnamige Hütte am Felsfenster vorbei zum Kreuz. Dieses steht auf 1.516 Meter etwas vor dem eigentlichen Gipfel und gilt den Allermeisten auch als Ziel- und Endpunkt des Aufstieges. Abfahrt gleich Anstieg. Beliebt ist auch die Abfahrt nach Süden zur Niedergadealm und dann entlang der Straße retour.

Verlängerung Postalm

Wem die 900 Höhenmeter nicht ausreichen, der verlängert einfach Richtung Postalm. Bei der Niedergadenalm wird wieder aufgefellt und es geht durch einen abschnittsweise etwas steileren Graben (Orientierungshilfe ist eine Stromleitung) nach Süden auf die Thorhöhe (1.533 m).Von der Gipfelkuppe der Thorhöhe über einen sehr schönen Hang nach Süden zur bewirtschafteten Thoralm abfahren. Nach Radler und Jause 250 Höhenmeter Gegenanstieg nach Norden auf den Windkogel (1.547 m) und Abfahrt zur Anstiegsspur retour zur Niedergadenalm. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 17.1.2015)

karte: der standard

Anreise: Mit dem Auto auf der Wolfgangsee Bundesstraße bis nach Gschwendt und beim Weiler Landauer auf der Mautstraße bis zum Schranken beim Hof Vitz am Berg. Sehr gute Busverbindung von Salzburg Hauptbahnhof Richtung Strobl. www.fahrplan.oebb.at

Schwierigkeiten: Einfache Hochwintertour, trotz hohem Waldanteil gut fahrbar. Bei schlechter Sicht nicht unmittelbar an der Kante des Nordwestrückens gehen! Gefährlich sind die Felsabbrüche im Wald bei der Abfahrtsvariante nach Süden zur Niedergadenalm.

Einkehr und Übernachtung: Direkt an der Wolfgangseestraße: Gasthof Wiesenhof www.wiesenhof-abersee.at

Karte: Kompass Nr. 18, "Nördliches Salzkammergut", 1:50.000.Literatur: Hutter/Neuhold, "Skitouren- atlas Salzburg-Berchtesgaden", Verlag Pustet, 2. Auflage 2014.

Lawinen: www.lawine.salzburg.at

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