Franken-Freigabe treibt Währungshändler in Pleite

16. Jänner 2015, 11:03
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Die abrupte Kehrtwende der Schweizerischen Notenbank hat Währungshändler ins Mark getroffen und die Schweizer Börse wieder auf Talfahrt geschickt

Zürich - Tag eins nach dem Erdbeben in der Schweizer Finanzwelt ist keine Ruhe eingekehrt. Die schockartige Abschaffung der Euro-Kursuntergrenze durch Schweizer Notenbank hat die Börse in Zürich am Freitag erneut Talfahrt geschickt. Der SMI notierte gegen Mittag um vier Prozent schwächer bei 8066 Punkten. Vorübergehend war der Leitindex um 6,5 Prozent abgesackt.

Auch die Hoffnung der Schweizerischen Nationalbank, den Frankenkurs trotz der Abkoppelung vom Euro im Griff zu halten, geht bisher nicht auf. Der Franken kostet weiter fast 1 Euro. Am Freitagvormittag wurde die Schweizer Währung am Devisenmarkt mit rund 0,99 Euro gehandelt. Das ist rund ein Fünftel über dem Niveau der vergangenen Zeit. Am Vortag hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Märkte mit dem überraschenden Beschluss geschockt, die seit September 2011 geltende Koppelung des Franken an den Euro mit sofortiger Wirkung aufzugeben. Daraufhin war der Franken-Kurs sofort in die Höhe geschossen.

Nachbeben an der Börse

Die überraschende Freigabe des Franken hat am Freitag nicht nur für ein Nachbeben an der Schweizer Börse gesorgt. Die überraschende Aufhebung des Euro-Mindestkurses hinterlässt auch Spuren bei einer kleinen Schweizer Online-Bank. Bei Swissquote erlitten Kunden Verluste und die Bank aktivierte eine Rückstellung von 25 Millionen Franken, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. "Viele Kunden folgten der von der SNB regelmäßig bestätigten Strategie und haben auf eine Abschwächung des Frankens gegenüber dem Euro gesetzt", erklärte die auf den Online-Handel für kleinere Kunden spezialisierte Brokerbank. Nach der Abschaffung des Mindestkurses am Vortag wertete der Franken zum Euro stark auf. Ein Euro kostet derzeit noch rund 1,02 Franken.

Die Rückstellung werde sich im Abschluss des ersten Halbjahres niederschlagen, ohne jedoch die Profitabilität und die Solidität der Bank infrage zu stellen. Für 2104 rechnet Swissquote bei einem Rekordumsatz von 145 Millionen Franken mit einem Vorsteuergewinn von etwa 28 Millionen Franken. An der deutlich schwächeren Schweizer Börse fiel die Swissquote-Aktie um 7,5 Prozent.

Pleiten bei Währungshändlern

Der kleine neuseeländische Devisenhändler Global Brokers hatte schon kurz im Anschluss an den Beschluss, der die Finanzmärkte kräftig durcheinanderwirbelte, sein Geschäft eingestellt. Am Freitag folgte nun die Insolvenz des britischen Devisenhändlers Alpari, dessen Logo auch die Trikots des englischen Fußballvereins West Ham United ziert.

Die Entscheidung der Schweizer Notenbanker habe zu extremen Schwankungen und zum Austrocknen jeglicher Liquidität geführt, teilte Alpari auf seiner Internetseite mit: "Das hat zur Folge gehabt, dass die Mehrheit der Kunden Verluste erlitt, die ihr Einlagenkapital überstiegen. Wo der Kunde diesen Verlust nicht abdecken kann, wird er an uns weitergereicht." Die Briten sind auch in Deutschland aktiv.

Global Brokers hatte von ähnlichen Liquiditätsproblemen und Verlusten der Kunden berichtet. Das Kapital der Firma sei aufgefressen, womit man nicht mehr den Anforderungen der Finanzaufsicht genüge, erklärten die Neuseeländer. Geschäftsführer David Johnson entschuldigte sich bei seinen Kunden, versicherte aber, dass die Einlagen sicher seien.

Der größte Devisenhändler für Kleinanleger in den USA, FXCM, bezifferte die Kundenverluste auf 225 Mio. US-Dollar (192,2 Mio. Euro). Andere Händler nannten Größenordnungen von mehreren zehn Millionen Dollar.

In den USA müssen nur zwei Prozent der gehandelten Währungssumme tatsächlich abgedeckt sein, denn üblicherweise schwanken Währungen nicht so stark wie etwa Aktien. Die Kundenverluste, die über die Einlagen hinaus gehen, müssen vom Händler ausgeglichen werden. (APA, 16.1.2014)

  • So richtig verdaut ist die Entscheidung der Schweizer noch nicht.
    foto: reuters/wiegmann

    So richtig verdaut ist die Entscheidung der Schweizer noch nicht.

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