Debatte um Rauchverbot ist scheinheilig und verlogen

Userkommentar16. Jänner 2015, 10:01
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Ein totales Rauchverbot ist der Todesstoß für kleine Lokale

Die Debatte über ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie ist an Verlogenheit und Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten – angefangen damit, dass der Tod des Enthüllungsjournalisten Kurt Kuch als Aufhänger missbraucht wird. Dass drei Packerl Zigaretten am Tag ungesund sind, wusste man auch schon vorher, das ist die große Enthüllung nicht, und die meisten dieser 60 Tschick hat Kuch mit Sicherheit außerhalb von Lokalen geraucht.

Todesstoß für kleine Lokale

Leute, die so viel geraucht haben wie er, werden das auch tun, wenn in Lokalen nicht geraucht werden darf. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Dafür werden aber mündige Erwachsene, die gerne rauchen, der Möglichkeit beraubt, dies in Gesellschaft und in jenem oft quasifamiliären Umfeld zu tun, das kleinere Lokale von Natur aus bieten. Ein generelles Rauchverbot wäre für diese ohnehin schon von einer Fülle an Auflagen gebeutelten Lokale der Todesstoß. All jene unter 50 Quadratmeter großen Raucherlokale würden mit einem Schlag bis zu 90 Prozent ihrer Gäste einbüßen, denn die würden auch bei einem Rauchverbot weiterrauchen, nur eben zu Hause.

Wieso aber soll das Schicksal hunderter kleiner Wirte, hunderter Existenzen auf dem Altar einer profilierungssüchtigen Gesundheitsministerin geopfert werden, die sich als Einstandsaktion partout eingebildet hat, alle Lokale rauchfrei zu machen, weil das aus dem Mund einer angehenden Gesundheitsministerin einfach gut klingt.

Vergleich mit anderen Ländern hinkt

Das Geld, das man Wirten als Abgeltung für den x-ten Umbau nachschmeißen will, wäre besser in noch mehr Aufklärung und Information investiert. Muss denn wirklich alles verboten werden? Kein Mensch kommt bei einer Beibehaltung des Status quo zu Schaden. Wer keinen Rauch will, geht ins Nichtraucherlokal. Wer sich zu Tode rauchen will, soll auch das dürfen, wenn der Markt das Angebot dafür bietet. Und bitte auch keinen Vergleich mit anderen Ländern. Weder Frankreich und Italien noch die USA können mit einer Kaffeehauskultur wie der in Österreich aufwarten. Viel von der einst vielfältigen Kaffeehauslandschaft ist aber ohnehin kaum mehr übrig. Lasst die Kaffeehäuser leben, die wir noch haben, auch die kleinen. Meint ein Nichtraucher. (Arthur Fürnhammer, derStandard.at, 16.1.2015)

Arthur Fürnhammer lebt als freier Journalist in Wien und ist Autor des "Tschocherl-Reports" (2013), einer Serie über Wiener Espressos und deren Gäste.

  • Der Autor in einem Tschocherl in Wien.
    foto: corn

    Der Autor in einem Tschocherl in Wien.

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