Auch im Job gibt's das "verflixte siebte Jahr"

19. Jänner 2015, 10:03
6 Postings

Auch die Beziehung zum Beruf wird - nicht immer freiwillig - einer Prüfung unterzogen. Eine Analyse der Karrierestationen und beruflichen Werdegänge von BFI-Absolventen gibt Aufschluss über die Laufbahnen in unterschiedlichen Berufsgruppen

Laut Statistik ist das siebente Jahr einer Beziehung für Trennungen besonders anfällig. Ähnlich verhält es sich auch mit der Beziehung zum Beruf. Nach dem sechsten Jahr wird ein Berufswechsel immer wahrscheinlicher. Zu dem Schluss kommt die Studie "Auf der Suche nach dem gelungenen Leben" von FAS Research im Auftrag des BFI Wien. Dafür wurden die beruflichen Stationen und Werdegänge von 3800 BFI-Absolventen bzw. -Interessenten im Alter von rund 40 Jahren analysiert.

Im Schnitt, so die Untersuchung, absolvieren Österreicherinnen und Österreicher im Laufe ihres Lebens 3,4 Berufswechsel. Die durchschnittliche Verweildauer in einem Beruf auch bei unterschiedlichen Arbeitgebern beträgt 6,23 Jahre, wobei die Verweildauer im Beruf mit jedem Wechsel abnimmt.

Flexibilität vs. Stabilität

Insgesamt wurden bei der Analyse drei Muster bei den Karriereverläufen sichtbar - die fragmentierte Karriere, die bewegte Karriere sowie die kontinuierliche Karriere, sagt Harald Katzmair, Geschäftsführer von FAS Research. Die fragmentierte Karriere sei gekennzeichnet durch häufige Arbeitgeber- und Berufswechsel, unterbrochen von häufiger Arbeitslosigkeit. Dies komme, so Katzmair, vor allem in Berufen mit niedrigqualifizierten Tätigkeiten vor. "Die Studie zeigt, dass bei häufigerem Berufswechsel die Verweildauer im Job immer kürzer wird. Die Menschen verheizen sich förmlich, werden aber auch durchgejagt", ergänzt er.

Bei der kontinuierlichen Karriere wiederum bestehe die Gefahr des "Einfrierens", erklärt Katzmair. Denn auch ein zu langer Verbleib im selben Berufsfeld könne Probleme mit sich bringen. Dann nämlich, wenn durch beispielsweise technische Änderungen die bisherige Tätigkeit nicht mehr gefragt sei. Als Beispiel nennt Katzmair Schaltermitarbeiter einer Bank, denn durch Onlinebanking werden immer weniger Mitarbeiter für diese Aufgaben benötigt. Mitarbeiter werden abgebaut und müssen noch einmal ganz von vorn beginnen.

Die Wirkung von Weiterbildung

Weiterbildung zeige aber sowohl bei der fragmentierten als auch bei der kontinuierlichen Karriere Wirkung, ergänzt Franz-Josef Lackinger, Geschäftsführer des BFI Wien. "In fast allen Berufsgruppen verlängern sich die Phasen ohne Erwerbslosigkeit." Besonders deutlich sichtbar werde das, so die Analyse, bei niedrigqualifizierten Personen. Hier könne berufliche Weiterbildung eine besonders stabilisierende Wirkung haben, ergänzt Lackinger. Sowohl die Zahl der Berufsjahre ohne Erwerbslosigkeit als auch die Anzahl der Berufsjahre bei einem Arbeitgeber konnten dadurch deutlich erhöht werden. Aber auch bei eingefrorenen Karrieren könne Weiterbildung helfen, beispielsweise um in einer anderen Position beruflich weiterzukommen. "Die Studie zeigt deutlich, dass Weiterbildung auch die Zufriedenheit im Beruf steigert und der Wunsch nach einem Berufswechsel abnimmt", sagt Lackinger.

Eine Formel für ein gelungenes Berufsleben kann die Studie zwar nicht geben, für Katzmair bestehe ein gelungenes Berufsleben vor allem aus der ausgewogenen Mischung aus Stabilität und Flexibiliät. "Ein Zuviel an Flexibiltät führt dazu, dass die Leute verheizt werden, zu viel Stabilität lässt die Leute erstarren", sagt er. Hier müsse der passende Zyklus gefunden werden. "Und Aus- und Weiterbildung kann hier Orientierung geben", so Katzmair. (DER STANDARD, 17./18.1.2015)

  • Im Laufe eines Berufslebens steht man oft vor Weggabelungen, nicht alle  sind freiwillig gewählt. Im Durchschnitt wird der Beruf 3,4-mal  gewechselt.
    foto: www.istockphoto.com/

    Im Laufe eines Berufslebens steht man oft vor Weggabelungen, nicht alle sind freiwillig gewählt. Im Durchschnitt wird der Beruf 3,4-mal gewechselt.

Share if you care.