Hollande im Hoch: Die Wandlung des Präsidenten

Analyse15. Jänner 2015, 18:21
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Seit den Anschlägen punktet Frankreichs bisher unpopulärster Präsident plötzlich bei seinen Landsleuten

Es war offenbar kein weiterer Terroranschlag, als am Mittwochabend ein dunkles Auto eine Polizistin vor dem Élysée-Palast umfuhr. Dennoch suchte François Hollande die verletzte Frau noch im Rettungsfahrzeug auf. Seit ein paar Tagen ist der 60-jährige Staatschef fast überall. Am Dienstag sagte er bei der Trauerfeier für die drei ermordeten Polizisten der Terroranschläge von vergangener Woche im Hof der Pariser Polizeipräfektur ohne Pathos: "Sie haben ihre Mission mit Mut, Bravour und Würde erfüllt. Sie sind tot, damit wir in Freiheit leben können."

Wie zuvor in einer Pariser Synagoge fand er dann auch gestern, Donnerstag, im Arabischen Institut richtige Worte für die französischen Muslime: Er stellte sich schützend vor sie, "die ersten Opfer von Fanatismus, Fundamentalismus und Intoleranz". Zugleich erinnerte er sie aber auch an "die Werte, die nicht verhandelbar sind und es nie sein werden: Freiheit und Demokratie".

Souverän hatte Hollande auch die Großkundgebung am vergangenen Sonntag angeführt, umgeben von Regierungschefs aus aller Welt. Ruhig und gefasst schritt er voran, während sich hinter ihm sein politischer Gegner Nicolas Sarkozy wie ein Schulbub nach vorn drängte.

Natürlich steht die Rolle des betroffenen und versöhnlichen Staatsoberhauptes jedem Politiker gut an. Die Franzosen zeigen sich aber erkenntlich: In einer neuen Umfrage erklären 88 Prozent, Hollande habe seine Aufgabe gut erfüllt – das genaue Spiegelbild früherer Erhebungen, in denen er bereits auf zwölf Prozent abgesackt war und schon Gegenstand von "Hollande-Bashing" wurde: Bei öffentlichen Auftritten zog mehrmals ein Kleinflugzeug ein Transparent mit der Aufschrift "Hollande Rücktritt" hinter sich her. Und im Internet tauchten Seiten auf wie: "Ich bin dumm, ich habe für Hollande gestimmt."

"Ohne Fehl und Tadel"

Seine Beliebtheitsquote ist mittlerweile wieder auf 20 Prozent gestiegen, in einem Fall sogar auf 29 Prozent. Für Hollande ist das schon viel, sehr viel. Sogar Sarkozy musste widerwillig einräumen, Hollande habe "getan, was zu tun war". Auch Le Monde lobt das präsidiale Auftreten "sans faute", also ohne Fehl und Tadel. Der bekannte Kolumnist Alain Duhamel blickt bereits weiter und meint, der sozialistische Staatschef habe bei den Wahlen 2017 vielleicht doch wieder eine Chance.

Doch die Gründe für das Hollande-Tief haben sich nicht verändert: Für Wirtschaftsflaute und Arbeitslosigkeit konnte Hollande die richtigen Worte, geschweige denn Taten, noch nicht finden.

Die Terroranschläge könnten mittelfristig eine neue Front öffnen. Hollande erklärte deshalb, er wolle den geplanten Abbau der Streitkräfte überdenken. Deren Reduktion um 34.000 Soldaten bis 2019 hatte er in den letzten Jahren selbst vorangetrieben. Die Rechtsopposition wird es sich nicht nehmen lassen, Hollande festzunageln, wenn die Zeit der "nationalen Einheit" abgelaufen sein wird.

Das wird nicht lange auf sich warten lassen. Aber Hollande hat nun zumindest klargemacht, dass er seinen Mann stehen kann – und dass er Sarkozy und Marine Le Pen das Feld nicht kampflos überlassen wird. (ANALYSE: Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 16.1.2015)

  • Am Donnerstag wurden Bernard Verlhac alias Tignous (Bild) und Georges Wolinski unter großer Anteilnahme der Pariser Bevölkerung beigesetzt. Die beiden Zeichner waren dem islamistischen Angriff auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" zum Opfer gefallen.
    foto: epa/yoan valat

    Am Donnerstag wurden Bernard Verlhac alias Tignous (Bild) und Georges Wolinski unter großer Anteilnahme der Pariser Bevölkerung beigesetzt. Die beiden Zeichner waren dem islamistischen Angriff auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" zum Opfer gefallen.

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