Benetton fliegt auf ausländische Flughäfen

15. Jänner 2015, 18:23
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Italienischer Flughafenbetreiber Atlantia Spa soll auch Wien und Malta im Visier haben

Italiens größter Airportbetreiber, Atlantia Spa, will die Beteiligung am römischen Flughafen Aeroporti di Roma um bis zu 30 Prozent verringern. Der Erlös soll in Anteile an ausländischen Airport-Betreibergesellschaften investiert werden. Die von der Unternehmerfamilie Benetton kontrollierte Atlantia interessiert sich dabei nicht nur für Airports in Chile und Brasilien, sondern auch für europäische Flughäfen.

"Wir haben überall Interesse, wo ein Wachstumspotenzial vorhanden ist und wo Beteiligungen zu verkaufen sind", bestätigte Atlantia-Chef Giovanni Castellucci. Auch wenn das Unternehmen ein Interesse an den Flughafen-Betreibergesellschaften von Wien und Malta nicht ausdrücklich erwähnte, sind unternehmensnahe Kreise überzeugt, dass Atlantia auch eine Expansion nach Mittel- und Südeuropa im Visier habe.

Mehr Umsatz und Passagiere

Atlantia will weiterhin die Mehrheit bei Aeroporti di Roma behalten, da sie derzeit 96 Prozent der Anteile an AdR kontrolliert. Atlantia betreibt derzeit sowohl die italienische Autobahngesellschaft Autostrade, wie auch die beiden Flughäfen von Rom (AdR).

Die Börsenkapitalisierung beträgt rund 17 Milliarden Euro. Aeroporti di Roma ist Italiens größter Flughafenbetreiber mit einem Umsatz von 577 Millionen Euro in den ersten neun Monaten 2014 - ein Zuwachs um elf Prozent - und einem Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 363 Millionen Euro (plus zwölf Prozent). Insgesamt wurden von Jänner bis September 33 Millionen Passagiere befördert, um 5,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der Beteiligungsverkauf bei AdR soll im Frühjahr 2015 abgeschlossen werden, heißt es beim Unternehmen. Nicht zum Verkauf stehen hingegen die Autobahnen. Autostrade Spa ist der größte Autobahnbetreiber in Italien und kontrolliert knapp 60 Prozent des gesamten Netzes. Aber nicht nur in Italien, auch in Südamerika (Brasilien, Chile), sowie in Polen und Frankreich hält Atlantia Beteiligungen an Autobahnen.

Geplatzte Fusion

Eine ihrer Tochtergesellschaften war die in Österreich tätige Europpass Lkw-Mautsystem GmbH. Das Unternehmen befindet sich wieder komplett im Besitz des staatlichen österreichischen Autobahnbauers Asfinag. Die geplante Fusion mit dem spanischen Konkurrenten und Autobahnbetreiber Abertis ist gescheitert. Die Regierung verhinderte den Deal der Italiener, da Atlantia als strategisch wichtige Gesellschaft bezeichnet wurde. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 16.1.2015)

  • Den Weg zum Flughafen Wien müssten die Italiener kennen. Sie installierten dort vor zehn Jahren das Lkw-Mautsystem.
    foto: apa/hans punz

    Den Weg zum Flughafen Wien müssten die Italiener kennen. Sie installierten dort vor zehn Jahren das Lkw-Mautsystem.

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