Rot-schwarzes Duell um Wiener Neustadt

15. Jänner 2015, 18:08
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Die ÖVP will in der traditionellen SPÖ-Hochburg am 25. Jänner die Absolute zu knacken, die bereits 2010 ordentlich wackelte

Wiener Neustadt / Wien - Von den 570 Gemeinden in Niederösterreich, die am Sonntag in gut einer Woche einen neuen Gemeinderat wählen werden, steht derzeit keine so im Fokus wie Wiener Neustadt. Zwar merkt man in der Fußgängerzone aufgrund eines Plakatverbots in der Innenstadt optisch nichts vom Wahlkampf, der Schein der Ruhe trügt jedoch.

Denn der traditionell rot regierten Statutarstadt könnte nach sieben Jahrzehnten unter SPÖ-Bürgermeistern am 25. Jänner ein historischer Wendepunkt bevorstehen. Die ÖVP gibt sich siegessicher wie schon lange nicht mehr und führt in der 42.300-Einwohner-Stadt einen Wahlkampf, als ginge es beim Urnengang darum, wer den nächsten Landeshauptmann stellt, Personenkomitees und die Ausarbeitung umfassender Zukunftsvisionen für die Stadt inklusive.

Zwar treten so viele politische Gruppierungen wie noch nie an und mehr als in jedem anderen Ort des Landes - zehn an der Zahl -, dennoch konzentriert sich das Stimmenmatch fast ausschließlich auf zwei Kandidaten: einen, der jung ans Ruder gelangte, und einen, der schon lange im Politgeschäft mitmischt - auf kommunaler Ebene tat er das aber stets in der zweiten Reihe.

Müllers steiler Aufstieg

So wurde der 41-jährige Bernhard Müller (SPÖ) nach nur zwei Jahren als Gemeinderat im Jahr 2005 zum Bürgermeister ernannt, als Traude Dierdorf das Amt - aus gesundheitlichen Gründen - verließ. 2010 kam die SPÖ in Wiener Neustadt mit einem Minus von 13 Prozent der Stimmen auf 48,4 Prozent, die ÖVP auf 24,5 Prozent. Drittstärkste Kraft war die FPÖ (10,2 Prozent).

Schneebergers "Achse zum Land"

Müllers ÖVP-Konkurrent, der 64 Jahre alte Klaus Schneeberger, ist seit fast 15 Jahren Klubobmann der ÖVP Niederösterreich und war zuvor fast genauso lange Vizebürgermeister Wiener Neustadts. Wenn die ÖVP die höchsten Zugewinne verbucht, will er auf den Bürgermeistersessel - für einen "Neustart für Neustadt". Schneeberger gilt als einer der engsten Vertrauten von Landeshauptmann Erwin Pröll - der beim Wahlkampfauftakt vorige Woche sagte: "Je stärker Klaus Schneeberger wird, umso stärker wird auch die Achse zum Land sein."

Aus Bernhard Müllers Sicht waren die letzten Jahre für Wiener Neustadt "sehr gut" und auch die Beziehung zum Land sei es. Er sieht das Budget saniert, viele Projekte umgesetzt und die Stadt sozialer geworden. Für die Zukunft hat er ein 66-Punkte-Programm erarbeitet, mit dem er "Neustadt" unter anderem zur Kinderhauptstadt machen und oftmalige Bürgerbeteiligung ermöglichen will.

"Aufbruchsstimmung"

Schneeberger spürt in der Bevölkerung wiederum "Aufbruchsstimmung". Er stellte im Wahlkampf unter anderem einen Integrationssprecher vor und ein Sanierungskonzept für die "leeren Stadtkassen". Gerne nahm er auch Medientermine beim Krebsforschungs- und Krebstherapiezentrum Medaustron wahr.

Müller gibt sich dennoch zuversichtlich, die Absolute zu halten: weil er schon zehn Jahre im Amt ist, weil nicht alle politischen Mitbewerber ihm schadeten (sondern auch anderen Konkurrenten) und wegen Umfragewerten - die allerdings schon aus dem Herbst sind. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 16.1.2015)

  • Klaus Schneeberger (VP) wirbt für einen "Neustart für Neustadt", Bernhard Müller (SP) dafür, dass die Stadt "in guten Händen bleibt".
    foto: apa/jäger

    Klaus Schneeberger (VP) wirbt für einen "Neustart für Neustadt", Bernhard Müller (SP) dafür, dass die Stadt "in guten Händen bleibt".

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