Serbischer Premier attackiert Medium und EU-Vertretung    

15. Jänner 2015, 17:44
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Regierungschef bezeichnete Journalisten als "Lügner"

Belgrad – Der serbische Premier Aleksandar Vučić hat nach einem kritischen Bericht Journalisten des Balkan Investigative Research Network (BIRN) als "Lügner" bezeichnet und den Chef der EU-Delegation in Serbien, Michael Davenport, beschuldigt, BIRN zu finanzieren, um die serbische Regierung zu unterminieren.

Zum Hintergrund: Die Online-Plattform Balkaninsight, die von BIRN-Journalisten verfasst wird, berichtete, dass die serbische Elek trizitätsgesellschaft Elektroprivreda Srbije der Firma Energotehnika Južna Bačka (Entjuba) einen Vertrag über 15 Million Euro zugesprochen hat, um eine überflutete Mine zu renovieren. Balkaninsight schrieb, dass Entjuba über keine Erfahrung in diesem Bereich verfüge und dass dessen Direktor beschuldigt wird, Steuerhinterziehung begangen zu haben. Zudem gebe es Beziehungen zwischen Entjuba und Nikola Petrović, einem guten Bekannten von Vučić. BIRN hat von der EU-Delegation in Serbien einen Zuschuss für die Recherche zu diesem Artikel bekommen.

Vučić warf BIRN vor, für westliche Unternehmen zu lobbyieren, um die Ausschreibung zu gewinnen. Den Anschuldigungen des Premierministers folgte eine Medienkampagne von regierungsnahen Medien, in der BIRN als "Spionageorganisation" bezeichnet wurde.

Der Sprecherin des EU-Außenamts, Maja Kocijančič, warf Vučić in einem Brief sogar vor, sie habe versucht, ihn in diesem Fall "zum Schweigen zu bringen". Kocijančič weist den Vorwurf, die EU zahle eine Kampagne gegen die serbische Regierung, strikt zurück: "Mediale Kritik (wie jene von BIRN) ist von wesentlicher Bedeutung, um die Rechenschaftspflicht der gewählten Regierungen sicherzustellen; die Regierungen sollten bereit dazu sein, auf solche Kritik in einer konstruktiven und transparenten Weise zu antworten, statt diese abzuwürgen." (awö, DER STANDARD, 16.1.2015)

  • Serbiens Regierungschef Aleksandar Vučić.
    foto: ap / visar kryeziu

    Serbiens Regierungschef Aleksandar Vučić.

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