Ein Korb für den Skisport erregt Unmut

15. Jänner 2015, 17:10
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St. Moritz will nicht als Ersatzort der Damen für Bad Kleinkirchheim einspringen

Cortina / St. Moritz - Atle Skårdal ist außer sich. Der Renndirektor der Skidamen hatte sich als Ersatz für den zuletzt in Bad Kleinkircheim abgebrochenen Super-G ein Rennen in St. Moritz gewünscht, allein, es blieb beim Wunsch. Die Schweizer gaben dem Weltskiverband (FIS) einen Korb, wollen sich Ende Jänner auf die seit längerem geplanten Rennen, also eine Abfahrt und einen Super-G, konzentrieren. Skårdal machte seinem Unmut in Cortina d'Ampezzo Luft. Schlecht müsse es um den Sport bestellt sein, wenn ein Veranstalter während der Hochsaison nicht einspringen könne. Schon im Dezember sei es schwierig gewesen, einen Ersatz für Val d'Isère und Courchevel zu finden. "Es ist schwer zu verstehen", sagt der geplagte Skårdal.

Für besseres Verständnis sorgt Claudia Jann, Mitglied des Organisationskomitees von St. Moritz: "Wir wollen nicht mit einem Loch in der Kassa hängenbleiben". Die Rennen seien mit rund 1,5 Millionen Franken budgetiert, der durch den Super-G zu erwartende Mehraufwand sei nicht zu finanzieren: "St. Moritz will auch in Zukunft Rennen veranstalten. Die Kosten dürfen nicht ausufern." Im Vorjahr stand der WM-Ort von 2017 noch als Lückenfüller parat, dann fiel das Programm einer Nebelwand zum Opfer. Diese Erfahrung hätte zur Vorsicht gemahnt.

Steigende Kosten

Die Durchführung eines Skirennens will sorgsam geplant sein. Wo früher ein paar morsche Holzlattenzäune standen, sollen nun eine Vielzahl von Sicherheitsnetzen die Athletinnen schützen. Mit den Sicherheitsauflagen sind, vor allem bei Speedrennen, auch die Kosten gestiegen. Zudem müssen die Organisatoren mittels Infrastruktur für Schneesicherheit sorgen. "Wir müssen auch den wachsenden Skitross in der Logistik berücksichtigen", sagt Jann. Dem Aufwand stünde die Umwegrentabilität gegenüber. Mit dem Weltcup wolle der für Polo und Pelzhauben bekannte Skiort auch die Mittelschicht erreichen.

Derweil sorgt sich Skårdal um die Zukunft des Skisports. Im schlimmsten Fall geht das abgebrochene Rennen verloren. Lindsey Vonn wird den Siegrekord von Annemarie Moser-Pröll trotzdem einstellen. Die US-Amerikanerin war am Donnerstag Schnellste im Training von Cortina, strebt ihren 62. Erfolg an. In den Dolomiten wird am Freitag (9.30 Uhr) die Abfahrt von Bad Kleinkirchheim nachgetragen - nur ein kleiner Trost für den Renndirektor. (Philip Bauer, DER STANDARD, 15.1.2014)

  • "Es ist schwer zu verstehen", sagt der geplagte Skårdal.
    foto: apa/epa/parrigger

    "Es ist schwer zu verstehen", sagt der geplagte Skårdal.

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