Grazer Biotechnologen wollen Medikamente missbrauchssicher machen

15. Jänner 2015, 17:11
2 Postings

Steirisches Pharma-Unternehmen Gerot Lannach sucht mit acib-Forschern nach neuem Medikamentenkonzept

Graz/Lannach - Bestimmte Medikamente werden aufgrund ihrer Beschaffenheit immer wieder von drogenabhängigen Menschen als Ersatzdrogen verwendet. Das steirische K2-Kompetenzzentrum "Austrian Center of Industrial Biotechnology" (acib) will Medikamente missbrauchssicherer machen. Kooperationspartner ist das im steirischen Lannach ansässige Pharmaunternehmen Gerot Lannach, hieß es am Donnerstag im Pressegespräch.

Um ihre Entzugserscheinungen zu lindern oder Engpässe auf dem Drogenmarkt zu lindern, holen sich Abhängige oft den Rausch aus der Apotheke: Unter anderem greifen heroinabhängige Menschen oft auf Medikamente der Substanzgruppe der Opioide zurück. Um Missbrauch vorzubeugen hat man bisher schon den Medikamenten Substanzen beigefügt, welche die Opioidwirkung bei intravenöser Wirkung aufheben. Auch gebe es Medikamente, die ein Gel bilden, wenn man sie zerreibt und spritzen will, schilderte Christof Wachter, Leiter der medizinischen Abteilung bei Gerot Lannach.

Gezielt aktiver Arzneistoff

Bei der neuen mehrjährigen Kooperation mit dem Biotechnologie-Forschungszentrum acib mit Sitz in Graz und Standorten in weiteren Bundesländern will man mithilfe der Biotechnologie innovative Wege gehen um den Missbrauch vorzubeugen. "Zum Beispiel dadurch, dass der Arzneistoff ausschließlich dort wirkt, wo er therapeutisch benötigt wird, ansonsten aber inaktiv ist", schilderte Wachter, der in der Kooperation mit dem acib "hohes Innovationspotenzial" sieht. Mit dem Kompetenzzentrum habe man einen mehrjährigen Kooperationsvertrag geschlossen, über die Höhe des konkreten Projektbudgets wollte man sich nicht äußern.

Insgesamt verfüge das acib in seiner mit Jahresbeginn angelaufenen neuen Fünfjahres-Förderperiode über ein Budget von 65 Millionen Euro und somit um fünf Millionen Euro mehr als in der ersten Periode (ab 2010). Öffentliche Fördermittel (53 Prozent) kommen von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG, der steirischen Wirtschaftsförderung, sowie aus Tirol, Niederösterreich und Wien, erläuterte Mathias Drexler, Geschäftsführer des acib.

Entwicklung von umweltfreundlichen Prozessen

Das acib erforscht generell, wie man mit Stoffen, die in der Natur biologische Vorgänge beeinflussen, industrielle Produktionsverfahren optimieren kann. Außerdem werden neue umweltfreundliche und ökonomischere Prozesse für den Biotech- und Pharmabereich sowie die chemische Industrie entwickelt. In den vergangenen fünf Jahren habe man mehr als 40 Forschungsprojekte abgewickelt, mehr als 1.100 Publikationen veröffentlicht sowie 36 Patentanträge eingereicht. Highlights waren Enzyme, die Plastik abbauen und in wertvolle Ausgangsstoffe zerlegen, eine Wirkstofftestung mithilfe von isolierten Leberenzymen oder die Entschlüsselung des Hamster-Genoms, dessen Zell-Linien potenziell entscheidend für die Biopharmazeutika-Produktion der Zukunft werden könnten. (APA, derStandard.at, 15.1.2015)

Share if you care.