14-jähriger Terrorverdächtiger wieder in Untersuchungshaft 

16. Jänner 2015, 09:52
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Hinter Gittern könne er aber nicht deradikalisiert werden, warnen Betreuer

St. Pölten/Wien - Wie viele Jugendliche geht der 14-jährige M. gern zu McDonald’s. Dort, genauer in einer Filiale in Wien-Mariahilf, wurde er Freitagfrüh erkannt. Der Ausreißversuch des Burschen, dessen Fahndungsbild als mutmaßlicher Jihadistennachwuchs durch Medien und soziale Netzwerke im Internet gegangen war, war zu Ende. Die alarmierte Polizei nahm ihn fest, nun ist er wieder in Haft in St. Pölten. Ein 12-jähriger Begleiter, der ebenfalls als abgängig gemeldet war, aber nicht terrorverdächtig und noch nicht strafmündig ist, wurde seinen Eltern übergeben. Das Jugendamt ist eingeschaltet.

M. ist jener Jugendliche, der Ende Oktober verhaftet worden war, weil er laut Verfassungsschutz einen Sprengstoffanschlag auf den Wiener Westbahnhof geplant haben könnte. Die Staatsschützer hatten aus seinem näheren Umfeld Hinweise darauf erhalten, dass er sich radikalisiert habe. Via Facebook soll er Kontakt mit Jihadisten gehabt haben und sich über "unkonventionelle Anschlagsmethoden in größeren Menschenmengen" kundig gemacht haben, wie die Staatsanwaltschaft bei der Verhängung der Untersuchungshaft bekanntgab.

Sozialnetzkonferenz

Nach Einberufung einer so genannten Sozialnetzkonferenz wurde M. im November schließlich unter strikten Betreuungsauflagen auf freien Fuß gesetzt. Er musste seinen Pass abgeben und sich regelmäßig bei der Polizei melden. Das vom Bewährungshilfeverein Neustart geleitete Betreuerteam besuchte ihn zwei- bis dreimal pro Woche zu Hause. "Bis Anfang der Woche lief es sehr gut", sagte Neustart-Sprecher Andreas Zembaty am Freitag zum Standard. Inhaltlich sei es darum gegangen, M. von seiner jugendlichen Glorifizierung des Terrors abzubringen. Dass er am Dienstag von zu Hause ausgerissen ist, sei überraschend gekommen.

Die Betreuer werden sich dennoch dafür einsetzen, dass M. weiter auf freiem Fuß deradikalisiert werden könne. "Wir nehmen die Vorwürfe gegen den Jugendlichen sehr ernst", betont Zembaty, "aber es wird schwer, ihm hinter Gittern zu helfen. Gerade jetzt, wo er es am wenigsten verdient zu haben scheint, dürfen wir nicht aufgeben." Nach seinem Gelöbnisbruch wurde vorerst bis 30. Jänner die U-Haft über M. verhängt. Haftgründe: Flucht- und Tatbegehungsgefahr. (Michael Simoner, Der Standard, 17.1.2015)

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