EU-Begeisterung der Österreicher von sozialem Status abhängig

15. Jänner 2015, 13:07
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Eurobarometer zu 20 Jahren EU-Beitritt: 58 Prozent verbinden positive Gefühle mit der EU, Arbeiter mehrheitlich negative

Wien - Eine neue Umfrage zur Europabegeisterung der Österreicher überrascht selbst die EU-Kommission. 58 Prozent der Befragten verbinden positive Gefühle mit der EU, 49 Prozent wollen eine engere Zusammenarbeit der EU-Staaten, heißt es in einem am Donnerstag vorgestellten Eurobarometer. Allerdings gibt es deutliche soziale Unterschiede, die Arbeiter sind der EU gegenüber mehrheitlich negativ eingestellt.

EU-Begeisterung

"Das Wohlbefinden der Österreicher in der EU ist etwas positiver als man es in der öffentlichen Diskussion wahrnehmen möchte", kommentierte der Leiter der EU-Vertretung in Österreich, Johann Sollgruber, das Ergebnis. Der Leiter der Europaabteilung im Außenministerium, Hubert Heiss, stellte ob des Ergebnisses gar die Frage, ob es wirklich Österreich ist, "das hier beschrieben wird".

Sollgruber räumte aber einen möglichen Verzerrungseffekt ein, da die Umfrage nur unter Internetnutzern durchgeführt wurde. Insgesamt wurden jeweils 1.000 Personen in Österreich, Schweden und Finnland aus Anlass des 20. Jahrestags der EU-Mitgliedschaft ihrer Heimatländer befragt. In Österreich haben 23 Prozent der Haushalte keinen Internetanschluss.

Die europäische Identität ist in allen drei Ländern stark ausgeprägt. 87 Prozent der Befragten gaben an, sich als Europäer zu fühlen. Unterschiede zeigen sich jedoch in der EU-Begeisterung. 67 Prozent der Finnen und 63 Prozent der Schweden verbinden positive Gefühle mit der EU, verglichen mit 58 Prozent in Österreich.

Arbeiter negativer eingestellt

Die Detailanalyse zeigt, dass die EU-Zustimmung vor allem in Österreich von der sozialen Schicht abhängt. Während Finnen und Schweden aller Alters- und Berufsgruppen mehrheitlich positive Gefühle gegenüber der EU hegen, gibt es in Österreich zwei "Ausreißer". Die Arbeiter verbinden zu 56 Prozent negative Gefühle mit der EU, und in der Gruppe der 40- bis 54-Jährigen steht es 50:50.

Vielleicht liegen die etwas kühlen Gefühle der Österreicher auch daran, dass ihnen die Zusammenarbeit der EU-Staaten nicht eng genug ist. 49 Prozent der Österreicher sprechen sich für eine engere Zusammenarbeit aus, lediglich 33 Prozent ist sie eng genug. 18 Prozent der Österreicher meinen, dass die Zusammenarbeit der EU-Staaten weniger eng sein sollte. Dagegen meinen jeweils 45 Prozent der Finnen und Schweden, dass die Kooperation eng genug sei.

Einig sind sich Schweden, Finnen und Österreicher, dass die Beschäftigung der wichtigste Schwerpunkt der neuen EU-Kommission sein soll. Im Fall Österreichs waren 51 Prozent dieser Meinung. Gleich dahinter rangieren die Stabilität des Euro (39 Prozent) und die Sicherheit der Bürger (33 Prozent).

Reisefreiheit und Supermärkte

Ähnlich sind sich die Bewohner der drei Beitrittsländer 1995 in der Bewertung, was die EU-Mitgliedschaft gebracht hat: Mehr Auswahl in den Supermärkten und Reisefreiheit. 72 Prozent der Österreicher sehen die positivsten Auswirkungen bei der Konsumgüter-Auswahl, gefolgt von der Arbeitnehmer- und Studentenmobilität (69 Prozent), der Infrastruktur (67 Prozent) und der Rolle Österreichs in der Welt (65 Prozent). Mehrheitlich negative Auswirkungen werden bei der Sozialfürsorge (59 Prozent), der Sicherheitslage (56 Prozent) sowie der wirtschaftlichen Situation und Umwelt (jeweils 54 Prozent) gesehen.

Die Erinnerung an den EU-Beitritt selbst ist bei vielen Österreichern offenbar schon verblasst. 59 Prozent bezeichnen es als jenes Ereignis, an das sie sich im Zusammenhang 20 Jahren EU-Mitgliedschaft am meisten erinnern können. Für 91 Prozent der Befragten ist dies die Euro-Einführung. Mit 29 Prozent an dritter Stelle liegen die EU-Sanktionen des Jahres 2000, gefolgt von der EU-Erweiterung 2004 (23 Prozent). (APA, 15.1.2015)

  • Die Begeisterung für die EU hängt laut Eurobarometer vom Bildungsgrad ab.
    foto: bela szandelszky

    Die Begeisterung für die EU hängt laut Eurobarometer vom Bildungsgrad ab.

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