Umbriens schöne Natur soll noch schöner werden

16. Jänner 2015, 05:30
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Kaschmirkönig Brunello Cucinelli will ein ganzes Tal in einen Naturpark verwandeln lassen

Brunello Cucinelli, Kaschmirkönig aus Solomeo in Umbrien, bietet nicht nur Luxus. Der Unternehmer setzt auch auf Natur. Er will die Umgebung seines Industrieimperiums, das mittelalterliche "Borgo Solomeo", mit Naturparks umgeben.

Das ganze Solomeo-Tal soll in eine Grünfläche umgewandelt, die bestehenden Industriegebäude sollen abgerissen werden. Finanziert wird das ehrgeizige Projekt mit dem anspruchsvollen Namen "Projekt für die Schönheit" aus seiner eigenen Familienstiftung.

Die Aktionäre des seit zwei Jahren an der Börse notierten Erfolgskonzerns werden nicht zur Kasse gebeten. Vorgesehen ist, das gesamte Terrain rund um den Borgo Solomeo, insgesamt 35 Hektar, in drei unterschiedliche Parks umzuwandeln. Mit ersten Arbeiten ist bereits begonnen worden.

"Unternehmerphilosoph"

Für Brunello Cucinelli stand von jeher die Gewinnmaximierung nicht im Vordergrund seiner Pläne. "Der Unternehmerphilosoph", wie er genannt wird, investierte schon immer zugunsten seiner Beschäftigten. So ließ er den mittelalterlichen Borgo Solomeo komplett restrukturieren und für den Bedarf seiner fast tausend Mitarbeiter umbauen.

Hier stehen den Beschäftigten nicht nur ein Kindergarten und eine Bibliothek, eine Schneiderschule, ein eigenes Theater und eine Vorzeigemensa zur Verfügung. Die Angestellten der Luxusfirma dürfen auch nur bis 17 Uhr arbeiten; die restliche Zeit sollen sie ihren Familien oder ihren individuellen Bedürfnissen widmen. Überstunden sind verpönt, Produktionsprämien gang und gäbe.

Vorerst sollen die sechs Industriegebäude unmittelbar in der Nähe von Solomeo abgerissen werden. Sie haben ein Gesamtvolumen von 240 Kubikmeter. "Drei Industriegebäude stehen bereits leer, weitere drei Unternehmer haben eingewilligt, in die Nähe umzusiedeln," sagte Cucinelli.

Drei Parks sollen hier entstehen: ein Freizeit-, ein Spiel- und ein Sportpark für die Jugend. Im sogenannten Oratorio Laico sollen Jugendliche aller Glaubensrichtungen zusammenkommen. Brunello Cucinelli träumt dabei von einem Integrationsmodell par excellence.

Der Landwirtschaftspark, wo Olivenbäume, Mais, Sonnenblumen und Obstbäume gepflanzt werden, soll nicht nur die Beschäftigung fördern, sondern auch die Fabrikmensa mit qualitativ hervorragendem Material versorgen. Der Industriepark rund um Solomeo soll den Beschäftigten das Gefühl geben, dass sie ihre Arbeit mit Würde verrichten.

Umsetzung bis Mitte 2016

Cucinelli ist kein Träumer, er ist ein gestandener Unternehmer. Und so will er seinen Plan innerhalb von eineinhalb Jahren bis Mitte 2016 realisieren. Ausschlaggebend für das Projekt sei sein Vater gewesen. Denn dieser habe ihn vor kurzem gefragt, ob es sein Lebensziel wäre, der "Reichste auf dem Friedhof zu werden".

Auf die Frage, ob er erwarte, dass sein "Projekt für die Schönheit" zum Pilotprojekt in der italienischen Industrie avanciere und möglicherweise von anderen Unternehmern nachgeahmt werde, meinte er: "Es ist nicht nur das Problem eines Unternehmers oder eines Politikers, bessere Lebensbedingungen zu schaffen, es ist ein menschliches Problem. Sicherlich kostet der Umbau in die Natur viel Geld - aber letztlich verdienen wir alle daran." (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 15.1.2015)

  • Noch dominieren Produktionshallen das Solomeo-Tal in Umbrien. Doch jetzt sollen sie dem "Projekt für die Schönheit" weichen.
    foto: cucinelli, projekt parchi della custodia

    Noch dominieren Produktionshallen das Solomeo-Tal in Umbrien. Doch jetzt sollen sie dem "Projekt für die Schönheit" weichen.

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