Laserpointer: "Nichts für Kinderhände" 

15. Jänner 2015, 12:58
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Hochleistungs-Laser sind bei uns verboten, können aber mühelos übers Internet erworben werden - Experten fordern eine Aufnahme ins Waffengesetz

"Plastik schmoren, Zigaretten sowie Streichhölzer entzünden und vieles mehr", all das soll ein Laserpointer aus einem von unzähligen einschlägigen Webshops können. Allerdings auch innerhalb von Sekundenbruchteil die Netzhaut irreversibel schädigen - so geschehen bei einem 12-jährigen Kärntner Buben, der beim Leuchten auf eine Glasfläche vom reflektierten Laserstrahl geblendet wurde und 60 Prozent seiner Sehkraft verlor. Der Laser, im Internet bestellt, war falsch deklariert und deutlich stärker als angegeben.

Keine Therapie

Mittlerweile ist der Unfall anderthalb Monate her. "Beide Augen sind nach wie vor geschädigt. Die Situation hat sich etwas gebessert, aber es ist bei weitem keine normale Sehfähigkeit", sagt der behandelnde Arzt Yosuf El-Shabrawi, Primar am Klinikum Klagenfurt am Wörthersee. Die werde wahrscheinlich auch nie wieder erreicht werden.

Die Medizin kann in diesem Fall nichts machen, denn es gibt keine etablierte Therapie. Man müsse abwarten und hoffen, dass intakte Zellen vom Randbereich des Schadens in den gelaserten Bereich einwandern, um den Defekt an der Netzhaut zu kompensieren, so El-Shabrawi. Dies könne noch Monate bis Jahre dauern, wenn überhaupt.

Mühelos im Ausland bestellen

Es ist der erste solche Fall am Klinikum Klagenfurt, doch seit einigen Jahren nehmen Berichte und wissenschaftliche Publikationen zu Laser-Schäden rasant zu, berichtet El-Shabrawi. "Das Problem ist altbekannt, aber erst seit kurzem sind leistungsfähige Laser so günstig geworden. Dadurch hat es sich massiv verschärft." Ein 50-Milliwatt-Laser, ungefähr so stark wie der des Buben, kostet bei einem deutschen Fachhändler etwa 24,80 Euro - inklusive Versand nach Österreich.

"Mit starken Laserpointern ist es wie mit gefährlichen Feuerwerkskörpern. Sie sind bei uns verboten, aus dem Ausland kann sie aber jeder mühelos beziehen", sagt Konsumentenschützer Johann Maier von der Arbeiterkammer Salzburg. Der frühere Nationalrats-Abgeordnete beschäftigt sich schon seit 20 Jahren immer wieder mit diesem Thema und hat an der derzeit geltenden Laserpointer-Verordnung mitgearbeitet.

Keine Rechtsgrundlage

Seit diese im Jahr 1999 in Kraft getreten ist, sind nur noch Laser der Klassen eins und zwei erlaubt - das sind solche mit einer Stärke von bis zu 1 Milliwatt (mW), die für das menschliche Auge harmlos sind. Bei höherer Leistung kann jedoch schon ein unbeabsichtigter Blick in den Laserstrahl - oder auch nur eine Reflexion davon - in Sekundenbruchteilen zu gravierenden Netzhautschäden führen.

Das zeigen auch Berechnungen mit einem Computermodell des Laserexperten Karl Schulmeister von Seibersdorf Laboratories. Bei einer Laserleistung von 40 Milliwatt werde die Netzhaut innerhalb von weniger als einer Millisekunde (!) irreversibel geschädigt, so die eindringliche Warnung des Experten. Für die vorgesehene Verwendung bei Präsentation sind solche Stärken überhaupt nicht nötig.

"Der europäische Markt wird mit Laserpointern aus China und Taiwan überschwemmt. Für Laser aus dem Ausland fehlt derzeit noch die Rechtsgrundlage", sagt Maier. Das soll sich aber ändern, denn zur Zeit wird auf EU-Ebene über eine europaweite Regelung zu Maximalstärken und über verstärkte Kontrollen für Produkte aus Drittstaaten diskutiert. Die neue Norm soll im Lauf des Jahres beschlossen werden, heißt es aus dem für Konsumentenschutz zuständigen Sozialministerium.

Aufnahme ins Waffengesetz?

In anderen Ländern wurde aufgrund der zunehmenden Zahl von Anlassfällen die Gesetzgebung längst verschärft. In Australien etwa gilt seit 2008 ein restriktives Einfuhrverbot für Laserpointer mit mehr als 1 Milliwatt Leistung gilt. In Teilen des Landes fallen solche Laser und Laserpointer sogar unter das Waffengesetz - anders als in Österreich.

Meier fordert, dass man auch bei uns über eine Aufnahme ins Waffengesetz diskutieren sollte. Schließlich seien Laserpointer nicht nur für Kinder, sondern auch im Fußballstadion - wenn der Tormann beim Elfmeter geblendet wird - und im Flugverkehr seit Jahren ein Problem, das man mit der derzeitigen Gesetzeslage kaum in den Griff bekomme.

Im Innenministerium sieht man dafür freilich keine Notwendigkeit. Es sei schwierig, Laserpointer als Waffen zu klassifizieren, weil sie per se nicht in die Definition von solchen fielen. Wenn überhaupt, sei es Sache der Politik, die Definition auszuweiten oder entsprechend umzuformulieren.

Auf Kennzeichnung achten

Das Sozialministerium wiederum verweist auf die geplante EU-Norm und appelliert vor allem an die Konsumenten: "Nicht immer sind Laserpointer richtig deklariert. Deshalb sollte man bei Begriffen wie 'extrem leistungsstark' und 'besonders hell' hellhörig werden, auch wenn vorgeblich alle Normen eingehalten werden", sagt Helmuth Perz, zuständig für Konsumentenschutz im Ministerium. Er empfiehlt, auf das EN-Gütesiegel zu achten, das für Unschädlichkeit garantiert.

Solange es aber Hochleistungs-Laserpointer für wenig Geld und per Mausklick gibt, ist für Augenarzt El-Shabrawi wie auch den Konsumentenschützer Johann Maier klar: "Laserpointer sind kein Spielzeug und gehören nicht in Kinderhände." (Florian Bayer, derStandard.at, 15.1.2014)

  • Laserpointer sind kein Spielzeug, wiewohl sie im Internet gern als solches bezeichnet werden.
    foto: derstandard/cremer

    Laserpointer sind kein Spielzeug, wiewohl sie im Internet gern als solches bezeichnet werden.

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