"Kulturzeit" auf 3sat: Kreislauf mit Lord Byron

14. Jänner 2015, 18:46
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Nicht einmal Bryan Ferry bringt einen auf andere Gedanken

Das Reisen, schreibt Michel Houellebecq in seinem Buch über Lanzarote, ist jene Ware, die dem Traum am ähnlichsten ist. Umso bizarrer kann es sein, aus diesem abrupt herausgerissen zu werden: Ich habe vom Anschlag auf die Charlie Hebdo-Redaktion erfahren, als wir auf der Kanarischen Insel gerade einen Vulkan hochfuhren. Der deutschsprachige Sender hieß übrigens Radio Atlantis.

Wieder zurück, kann man auch an TV-Sendungen wie "Kulturzeit" ablesen, wie sehr sich die Wahrnehmung gerade auf ein paar Themen fokussiert: Aus dem Libanon kommt eine Reportage über zwei couragierte Schwestern, die an einer Studie über Jihadisten im Gefängnis arbeiten und dabei zu dem Ergebnis kamen, dass sich die Insassen gerade an diesem Ort besonders radikalisieren.

Auf die jungen Frauen, die mit ihren offenen Haaren so gar nicht dem weiblichen Stereotyp des Nahen Ostens entsprachen, folgte eine Auseinandersetzung mit den Sorgengesichtern von Pegida und der Frage, welche Assoziationen der Begriff einer Bewegung weckt, die vor allem diffuse Ängste schürt.

Fraglos, dass die Berichte kommunizieren. Dies bildet, bei aller analytischen Anstrengung, auch eine mediale Eigendynamik ab, aus der gerade kein Weg herausführt. Nicht einmal Bryan Ferry, der am Magazinende mit Strickkrawatte zum Interview erscheint, bringt einen auf andere Gedanken. Wenn nämlich "Byron Ferrari" davon erzählt, dass die Covers von Roxy Music sich an "guter alter amerikanischer Werbung" orientiert haben, bei der sich stets ein hübsches Mädchen für ein Produkt in Pose warf, hat man ein schönes Beispiel für die ironischen Aneignungen der Popkultur vor sich. Auch so eine westliche Errungenschaft. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 15.1.2015)

  • Bryan Ferry, hier bei einem Konzert Ende Oktober 2014 in der Schweiz.
    foto: apa/epa/georgios kefalas

    Bryan Ferry, hier bei einem Konzert Ende Oktober 2014 in der Schweiz.

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