Der Schlüssel zum Frieden liegt in Nahost

Userkommentar16. Jänner 2015, 09:40
101 Postings

Die Geschehnisse der vergangenen Tage zeigen, wie Menschen in Israel sich Tag für Tag fühlen

Lange war die Sicherheit hierzulande nicht mehr so in Gefahr wie in diesen Tagen. Die Anschläge auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" und die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt in Paris, die 17 Todesopfer forderten, lassen auch bei den österreichischen Behörden die Alarmglocken schrillen. Der islamistische Terror erfüllt seinen Zweck, auch in Österreich gehen viele Menschen mit einem unguten Gefühl auf die Straßen. Unvorstellbar, welche Stimmungen ein Terrorakt auf österreichischem Boden im Volk hervorrufen würde.

Alltag in Israel

Die Geschehnisse der vergangenen Tage helfen aber auch zu verstehen. Man kann nachvollziehen, wie Menschen in Israel sich Tag für Tag fühlen. Die Angst oder Gefahr, einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen, ist dort ständig gegeben. Wie bei dem Attentat in Paris sind es auch bei Anschlägen in Israel stets Einzeltäter, die immer wieder Militärschläge vonseiten Israels provozieren. Mit jedem Attentat steigt der Hass auf den Nachbarn auf der anderen Seite der Mauer. Aus diesem Blickwinkel fällt auch Kritik an Israel schwer, das geografisch von den politisch nicht gerade stabilen Ländern Ägypten, Libanon, Syrien und Jordanien eingekreist ist.

Schweres Miteinander

Der Konflikt zwischen den beiden Seiten hat noch in den Tagen vor der Staatsgründung Israels im Jahr 1947 begonnen. Mehrere Kriege und unzählige Tote auf beiden Seiten waren die Folge. Lange stand das Ziel, "die Juden ins Meer zu treiben", auf der Agenda der arabischen Nachbarstaaten ganz oben. Dass unter diesen Vorzeichen ein Miteinander schwer möglich wurde, ist nachzuvollziehen.

Längst hat der Israel-Palästina-Konflikt die Grenzen der Länder verlassen und ist drauf und dran, die ganze Welt in zwei Lager zu spalten. Natürlich kann man den Konflikt zwischen Europa und den USA, also "dem Westen", einerseits und der "islamischen Welt" nicht eins zu eins mit dem Nahostkonflikt vergleichen. Definitiv sind es aber in beiden Fällen ideologische und nicht zu vernachlässigende persönliche (einer Studie zweier Libanesinnen zufolge hatten von 20 radikalislamischen Gefängnisinsassen alle gar keine oder problematische Beziehungen zu ihren Vätern), in erster Linie aber sozioökonomische Motive, die die islamistischen Terroristen antreiben.

Kompromiss vonnöten

68 Jahre wird nun versucht, das Pulverfass Nahost zu entschärfen. Es ist an der Zeit, persönliche Emotionen in beiden Lagern zurückzustellen, einander entgegenzukommen und im Interesse der Weltbevölkerung endlich zu versuchen, einen für beide Seiten befriedigenden Kompromiss ohne weitere Todesopfer voranzutreiben. Denn was im Kleinen funktioniert, kann auch im Großen aufgehen. Man darf zumindest noch hoffen. (Jakob Penner, derStandard.at, 16.1.2015)

Jakob Penner studiert Publizistik und Kommunikationswissenschaft und Geschichte an der Universität Wien.

Zum Thema

Die Terroristen sind tot, die Angst bleibt

  • "Ich bin tot, weil ich Jude bin": Gedenken an die jüdischen Opfer am vergangenen Sonntag in Paris.
    foto: epa/abir sultan

    "Ich bin tot, weil ich Jude bin": Gedenken an die jüdischen Opfer am vergangenen Sonntag in Paris.

Share if you care.