Russland droht Ramschstatus

14. Jänner 2015, 17:20
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Die Inflation galoppiert, selbst die Regierung rechnet mit einer weiteren Abwertung des Kreditratings

"In der Krise ist es wichtig, seelische Ruhe zu bewahren, zu Hause einen sicheren Rückhalt in der Familie zu haben und an die Gesundheit zu denken", Ölpreis und Sanktionen hingegen seien vergänglich und daher die Aufregung nicht wert, wandte sich Uljukajew bei seinem Auftritt auf dem Wirtschaftssymposium Gaidar-Forum an seine Landsleute.

Diese machen sich trotzdem Sorgen, spüren sie doch die Folgen täglich bei ihrem Einkauf. Die mit dem sinkenden Ölpreis verbundene Rubelschwäche hat die Inflation dramatisch beschleunigt. Offiziell haben sich die Preise 2014 um 11,4 Prozent erhöht. Allein in den bis zum 12. Jänner dauernden russischen Neujahrsferien lag die Inflation mit 0,8 Prozent höher als im gesamten Jänner 2013 (0,6 Prozent). Die Spitze der Inflationsspirale wird wohl erst im März erreicht. Dann wird sie laut Vizewirtschaftsminister Alexej Wedew 15 bis 17 Prozent im Jahresvergleich ausmachen.

Die Position der russischen Regierung ist dabei widersprüchlich: Premier Dmitri Medwedew räumte ein, dass die Regierung den scharfen Ölpreisrückgang nicht vorausgesehen habe. "Die Lage, in der sich die russische Wirtschaft befindet, war erwartbar, sie war verständlich schon vor einem Jahr oder mehr", sagte er zugleich - ohne zu erklären, warum sein Kabinett in der Zeit keine Maßnahmen getroffen hat, um die in der Krise dringend nötige und seit Jahren versprochene Diversifizierung der Wirtschaft voranzutreiben.

Stattdessen konstatierte Medwedew erneut, dass das rohstoffbasierte Wirtschaftsmodell "erschöpft" sei. Ein Verhaltensszenario sollte der Ölpreis längerfristig auf dem jetzigen Niveau verharren, hat die Regierung dabei bis heute nicht erarbeitet.

Staatspleite ausgeschlossen

Zwar rechnet inzwischen Uljukajew selbst damit, dass die Ratingagentur Standard & Poor's Russlands Kreditbonität weiter abwertet, womit die Staatspapiere dann Ramschstatus hätten. Den Pessimismus westlicher Anleger, wie des Starinvestors George Soros, teilen russische Experten aber nicht. Nicht nur Medwedew betonte, Russland werde seine Zahlungsverpflichtungen erfüllen. Auch der in die Opposition gewechselte Ex-Finanzminister Alexej Kudrin hält einen Staatsbankrott für ausgeschlossen.

Trotzdem müssen sich Russland und speziell der Bankensektor auf harte Zeiten einstellen. Der Chef der mächtigen Sberbank, German Gref, geht davon aus, dass der Ölpreis in den nächsten Jahren 60 bis 70 Dollar nicht übersteigen wird. Das werde eine gewaltige Bankenkrise in Russland nach sich ziehen, prognostizierte Gref. Manche Geldanlagen seien bereits jetzt vergleichbar mit einem Kasino, sagte er. (André Ballin aus Moskau, DER STANDARD, 15.1.2015)

  • Die Geldentwertung macht den Menschen in Russland zu schaffen, die Rubelabwertung sowieso.
    foto: reuters/eduard korniyenko

    Die Geldentwertung macht den Menschen in Russland zu schaffen, die Rubelabwertung sowieso.

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