Verdeckter Ermittlerin Penis gezeigt: Freispruch von Missbrauchsvorwurf

14. Jänner 2015, 17:54
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Verdeckte Ermittlerin gab sich im Chat als Zwölfjährige aus. Freispruch wegen versuchten sexuellen Missbrauchs einer Unmündigen.

Salzburg - Mit einem Freispruch trotz Geständnisses endete am Mittwoch ein Prozess wegen versuchten sexuellen Missbrauchs einer Unmündigen. Der 34-jährige Angeklagte soll im Vorjahr eine Person mit dem Pseudonym Lisa12BW in dem Chatportal teens.de dazu aufgefordert haben, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen. Hinter dem Computer saß aber nicht, wie vom Angeklagten erwartet, ein zwölfjähriges Mädchen, sondern eine verdeckte Ermittlerin der Salzburger Polizei.

Leise und zurückhaltend antwortete der Pinzgauer dem vorsitzenden Richter Roland Finster auf seine Fragen. "Ja, ich habe mir schon gedacht, dass sie erst zwölf Jahre alt ist." Laut Staatsanwalt Robert Holzleitner soll der 34-Jährige die vermeintlich Zwölfjährige dazu aufgefordert haben, auf einen privaten Chat via Skype umzusteigen. Dort soll er Lisa12BW gefragt haben, ob sie Cam-Sex wolle. Er soll sie aufgefordert haben, ihm über Webcam ihre Geschlechtsteile zu zeigen und sich selbst anzugreifen.

Auf ihren Einwand, erst zwölf Jahre alt zu sein, soll er sie gefragt haben, ob sie seinen Penis sehen wolle. Lisa12BW antwortete, das sei eklig. Der Angeklagte soll daraufhin seine Webcam eingeschaltet und seinen Penis gezeigt haben. Danach wurde der Chat von der verdeckten Ermittlerin beendet.

Angeklagte zeigte sich geständig

Bei der Befragung durch Richter Finster bejahte der Angeklagte all diese Vorhalte des Staatsanwalts. Trotzdem befand der Schöffensenat den Angeklagten wegen des versuchten sexuellen Missbrauchs von Unmündigen für nicht schuldig. Der Tatvorsatz sei zwar unstrittig, aber bei der verdeckten Ermittlerin handle es sich um ein "absolut untaugliches Tatobjekt", begründete Finster die Entscheidung. Der objektive Tatbestand sei nicht erfüllt, da keine Person tatsächlich zu Schaden gekommen sei.

Der Schöffensenat verurteilte den geständigen Angeklagten allerdings wegen Besitz von Kinderpornografie zu einer bedingten Haftstrafe von vier Monaten. Zwischen November 2012 und Juli 2014 soll er Bilder aus dem Internet heruntergeladen haben.

Beide Urteile sind nicht rechtskräftig. Staatsanwalt Holzleitner meldete Nichtigkeitsbeschwerde an. Verteidiger Erich Frenner hat keine Erklärung abgegeben. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 15.1.2015)

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