Grünes Casting: In vier Minuten zum Listenplatz

14. Jänner 2015, 17:15
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Vor fünf Jahren sorgte die Kandidatenvorauswahl bei den Wiener Grünen für Wirbel, dieser scheint nun vergessen. Unter den prominenten Quereinsteigern: Bildungsaktivist Daniel Landau

Wien - Lehrer, Bildungsaktivist und Gastronom. Schon bald könnte der Wiener Daniel Landau, Bruder des Caritas-Präsidenten Michael Landau, eine weitere Berufsbezeichnung in sein Portfolio aufnehmen: die des Politikers. Der Betreiber des Café Tachles im zweiten Bezirk und Gründer der Bildungs-NGO "Jedes Kind" kandidiert bei den Grünen-Vorwahlen, um nach der Gemeinderatswahl 2015 ins Rathaus einzuziehen, wie er im Standard-Gespräch ankündigt: "Ich bin schon länger mit der Idee schwanger, im November habe ich entschieden, diesen Schritt zu wagen."

Bis 17. Jänner können sich Bewerber noch per E-Mail anmelden, um in die Kandidaten-Broschüre der Grünen-Vorwahlen aufgenommen zu werden. Parteiintern rechnet man mit rund 70 Kandidatinnen und Kandidaten, die am 14. Februar bei der Landesversammlung von Mitgliedern und registrierten Unterstützern gewählt werden können. Vergeben werden 24 Plätze, tatsächliche Chance auf den Einzug in den Gemeinderat hat rund die Hälfte von ihnen. Derzeit zählt der Klub zwölf Mandatare.

Verstimmungen bei letzter Wahl

Das Vorwahlsystem bei den Grünen ist komplex und führte vor der Wien-Wahl 2010 zu Verstimmungen, weil sich zahlreiche Unterstützer nur registriert hatten, um bei der Listenwahl mitstimmen zu können. Das ist im Wahlmodus zwar vorgesehen und wird auch heuer wieder möglich sein (siehe Wissen unten), der gezielte Aufruf von Bloggern, der vor fünf Jahren erfolgt war, blieb aber aus.

Landaus Thema soll jedenfalls die Bildungspolitik bleiben. Davon will er die Wahlberechtigten bei der Landesversammlung in der ihm zustehenden vierminütigen Redezeit überzeugen. Für ihn wäre ein politisches Mandat die "logische Konsequenz" seiner bisherigen Tätigkeit. Zwar habe er immer einen parteiübergreifenden Ansatz gepflegt, nun wolle er das System aber von innen heraus verändern. Seine Funktion als Chef der parteiübergreifenden NGO würde er dann zurücklegen.

"Nachholbedarf" in Sachen Lehre

Landaus wichtigste Anliegen: die Lehre aufzuwerten und ihr die nötige Wertschätzung entgegenzubringen ("Hier haben wir Grünen Nachholbedarf"), den Stadtschulrat zu reformieren und modernisieren und die Schulen als Bildungszentren im jeweiligen Grätzel zu verstehen und für die Bewohner zu öffnen.

Landau will ab Platz neun der Grünen-Liste kandidieren und ist nicht das einzige neue Gesicht, dem realistische Chancen auf den Einzug in den Gemeinderat zugesprochen werden. Auch Renate Schnee vom Stadtteilzentrum Bassena in der Siedlung Am Schöpfwerk will laut Standard-Informationen kandidieren, genauso wie Peter Kraus, stellvertretender Büroleiter von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou und Sprecher der "Grünen Andersrum" in Wien. Der 28-Jährige bezeichnet sich auf seinem Blog als Vertreter der "Generation Y" und will aufzeigen, dass Wien nicht mehr die Stadt der "grantelnden alten Männer" ist.

Auch öffentliche Vorwahlen bei Neos

Die Grünen sind nicht die Einzigen in Wien, die die Kandidatensuche öffentlich betreiben. Auch die derzeit noch nicht im Gemeinderat vertretenen Neos haben ein Vorwahlsystem entwickelt. Mehr als 500 Personen haben sich bereits online registriert, gab die Partei am Dienstag bekannt. Im Februar finden im nächsten Schritt Online-Vorwahlen statt, danach vergeben Landesteam und Bundesvorstand in geheimer Wahl Punkte für die übriggebliebenen Kandidaten. Namen möglicher prominenter Kandidaten sickerten bei den Neos im Gegensatz zu den Grünen noch nicht durch. (Rosa Winkler-Hermaden, DER STANDARD, 15.1.2015)

Wissen: Grüne Vorwahlen

Bei der Landesversammlung der Wiener Grünen am 14. Februar werden 24 Listenplätze vergeben. Die ersten vier werden dabei einzeln gewählt, alle darauffolgenden in Blöcken zu je vier Plätzen. Berücksichtigt wird Geschlechterparität. Wahlberechtigt bei der Landesversammlung sind nicht nur Parteimitglieder, sondern auch sogenannte Unterstützer. Die Frist für die Registrierung als Unterstützer ist bereits im Herbst 2014 abgelaufen. Kandidaten für einen Listenplatz können ihre Bewerbung hingegen noch bis 17. Jänner abgeben. (red)

  • Bei der Grünen-Landesversammlung am 14. Februar wird von Parteimitgliedern und registrierten Unterstützern über die Kandidatinnen und Kandidaten abgestimmt.
    foto: apa/neubauer

    Bei der Grünen-Landesversammlung am 14. Februar wird von Parteimitgliedern und registrierten Unterstützern über die Kandidatinnen und Kandidaten abgestimmt.

  • Daniel Landau ist Lehrer, Bildungsaktivist und Gastronom und will nun in die Wiener Kommunalpolitik einsteigen.
    foto: regine hendrich

    Daniel Landau ist Lehrer, Bildungsaktivist und Gastronom und will nun in die Wiener Kommunalpolitik einsteigen.

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