Mitterlehner verspürt Rückenwind für neue Unizugangsregelungen

14. Jänner 2015, 15:50
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70 Prozent der Bevölkerung für Beschränkungen - Minister will mehr Fächer regulieren

Wien - Volkes Meinung wurde erfragt, und das, was das Volk meint, deckt sich erfreulicherweise großflächig mit der Meinung des Auftraggebers. Der am Mittwoch erstmals präsentierte "Wissenschaftsmonitor", der im Auftrag des Wissenschaftsministeriums die Stimmungslage in der Bevölkerung regelmäßig erheben soll, brachte als ein zentrales Ergebnis zutage: Fast 70 Prozent der je rund 1000 in zwei Wellen online Befragten ab 16 Jahren halten Zugangsregelungen an Universitäten für gerechtfertigt. Zwischen Gesamtbevölkerung (69) und den 200 Studierenden (68) im Sample liegt nur ein Prozent Differenz. Nein sagten dazu insgesamt 17 Prozent bzw. 24 Prozent der Studierenden. Der Rest hatte keine Meinung.

Außerdem gilt: Je älter, desto beschränkter, denn mit steigendem Alter der Befragten steigt die Zustimmung zu Zugangsregelungen, sagte Politologe Peter Filzmaier, dessen Institut für Strategieanalysen die Studie mit dem Online-Marktforschungsinstitut meinungsraum.at durchgeführt hat. Sind von den unter 29-Jährigen zwei von drei für Zugangsregeln, steigt dieser Wert bei über 60-Jährigen auf vier von fünf Beschränkungsbefürwortern.

Zugangsschranken für "Massenfach Jus"

Wissenschaftsminister und ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner kommt diese Stimmungslage in der Bevölkerung insofern zupass, als einige bestehende Zugangsregelungen (Architektur, Biologie, Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Pharmazie) mit Jahresende auslaufen und mit der SPÖ neu verhandelt werden müssen. Er wolle das Ergebnis "positiv mitnehmen". Außerdem hat er bei Amtsantritt im Wissenschaftsressort von Anfang an gesagt, noch mehr Fächer beschränken zu wollen. Nach der Evaluierung der bestehenden Zugangsregeln wolle er sich "bemühen, eine Fortsetzung, eventuell Ausweitung Richtung andere Fächer" zu erzielen. Konkret nannte er das "Massenfach Jus", das im laufenden Wintersemester 5201 Anfänger verzeichne. Da gebe es "wahrscheinlich die Notwendigkeit, auch dieses Fach mit Zugangsregeln zu versorgen".

In jedem Fall zeige der Wissenschaftsmonitor, dass "die Bevölkerung diese Notwendigkeiten sieht", sagte Mitterlehner.

"Luft nach oben"

Ansonsten tummelt sich die Meinungslage stark im Bereich der "Eher-Zufriedenheit", erklärte Filzmaier angesichts der Einschätzungen im Hinblick auf Österreichs Stellenwert als Wissenschaftsstandort sowie Forschung und Studien im EU-Vergleich: "Es besteht Luft nach oben." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 15.1.2015)

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    foto: apa / roland schlager
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