Album der Woche: Justin Townes Earles "Absent Fathers"

15. Jänner 2015, 17:06
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Justin Townes Earle thematisiert erneut Familiengeschichten. Sein neues Album heißt "Absent Fathers". Da kennt er sich aus

Ob es ein Trauma ist oder dessen Therapie, das weiß man nicht so genau. Das Thema trägt jedenfalls autobiografische Züge, also wird es wohl einschlägig motiviert sein. Erst im September hat Justin Townes Earle das Album Single Mothers veröffentlicht, diese Woche legte er mit Absent Fathers nach. Justin Townes Earle ist der Sohn von Steve Earle. Der ist eine Art liberaler Redneck, ein weltberühmter Country-Rock-Musiker, Songwriter und Schauspieler (The Wire), der sich einst bei Justins Mutter empfahl, als dieser gerade zwei Jahre alt war. Nicht schön, aber so ist das Leben.

Sohn Justin, der seinen zweiten Vornamen bei seinem Taufpaten Townes van Zandt ausfasste, ist schließlich auch Musiker geworden. Große Brille, dünne Arme, bunt tätowiert und in einer Montur, die junge Menschen heute tragen, wenn sie in Nashville einen Zweitwohnsitz haben, so kann man sich Justin Townes vorstellen, optisch.

Bei Dad spielt er öfter mal in der Band, seit ein paar Jahren hält er jedoch seine eigene Karriere am Laufen. Und diese ist nicht ganz frei vom Einfluss mächtiger Vorfahren. Vater Steve und Townes van Zandt, ein Großmeister des desperaten Countrysongs ("Nicht alle meine Songs sind traurig, manche sind auch hoffnungslos"), lassen sich mühelos als Mentoren seiner Kunst ausmachen.

Gutes Kind

Aber Justin Townes wäre kein guter Sohn, würde er nicht wenigstens versuchen, sich zu emanzipieren. Das klingt immer dann am besten, wenn es zwanglos wirkt. Absent Fathers ist trotz thematischer Breitseite so ein Versuch. Townes rumpelt in intim produzierten Balladen durch diverse Jammertäler, ohne je zu dick aufzutragen. Er erzählt kleine traurige Geschichten von Außenseitern und Einzelgängern wider Willen. Hin und wieder zwinkert uns ein Song zu, signalisiert uns, dass ihm nicht alles so heiß auf der Zunge brennt, wie es vom Leben gekocht wurde.

Ein wenig vermisst man den Variantenreichtum, den sich sein Vater über die Jahre erspielt hat. Justin ist gut, aber doch recht berechenbar und brav. Aber vielleicht wird man so, will man so sein, wenn man einen alten Junkie als Vater hat, der sich selbst wundert, dass er sein Leben bis heute überlebt hat. (flu, Rondo, DER STANDARD, 16.1.2015)

  • Justin Townes Earle: "Absent Fathers" (Loose Music/Rough Trade)
    foto: loosemusic

    Justin Townes Earle: "Absent Fathers" (Loose Music/Rough Trade)

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