Peerio: Verschlüsselungs-App will Gmail, Dropbox und WhatsApp ersetzen

14. Jänner 2015, 15:00
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Auch Betreiber haben keinen Zugriff auf Daten - Beta-Version und Source Code verfügbar

Wer wirklich sicher kommunizieren will, hat es nicht leicht: Zwar verschlüsseln mittlerweile viele Mail-Services den Transport der Daten, der Anbieter selbst kann diese aber trotzdem einsehen - und wird somit zum Angriffspunkt für Geheimdienste und Kriminelle gleichermaßen. Dagegen hilft nur eine vollständige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, wie sie etwa PGP bietet. Dieses findet allerdings aufgrund seiner umständlichen Nutzung nur wenig Einsatz findet.

Peerio

Ein 24-Jähriger Softwareentwickler will das nun alles erheblich vereinfachen - und dabei auch gleich noch den klassische Cloud-Speicher und Messenger ablösen. Mit Peerio stellt Nadim Kobeissi sein neuestes Projekt vor, das er selbst als "verschlüsselte Arbeitsumgebung" bezeichnet, wie das Magazin Wired berichtet.

peerio technologies

Einmal registriert, präsentiert die Software eine Oberfläche, die stark an klassische Web-Mail-Clients wie Gmail erinnert. So können Nachrichten in Verzeichnissen organisiert oder weitergeleitet werden. Voraussetzung ist natürlich, dass das Gegenüber ebenfalls bei Peerio angemeldet ist, die Kontakte können unter anderem von Google importiert werden.

Features

Dateien können zwischen den Teilnehmern bis zu einer maximalen Größe von 400 MB geteilt werden. Dieses Limit soll in zukünftigen Versionen weiter angehoben werden. Wer will, kann Peerio zudem als - einfachen - Messenger einsetzen, und mit kurzen rasch folgenden Nachrichten mit dem Gegenüber kommunizieren. All diese Daten können über eine lokale Suchfunktion durchstöbert werden.

Hintergrund

Der Entwickler ist übrigens kein Unbekannter: Schon in der Vergangenheit hatte Kobeissi mit Privacy-Software wie dem sicheren Chat-Client Cryptochat oder auch Minilock, einem Tool zum einfachen Datenaustausch, aufhorchen lassen. In Peerio werden nun viele dieser Ideen zusammengeführt und erweitert.

Ansatz

So arbeitet auch das neue Projekt nicht mit fixen Schlüsseln, diese werden bei jedem Login neu aus dem Passwort generiert. Dies hat den Vorteil, dass die Schlüssel nie gespeichert werden. Umgekehrt heißt dies aber auch, dass die gesamte Sicherheit alleine mit der Qualität des Passworts steht und fällt. Deswegen besteht Peerio auch beim Anlegen eines Accounts auf eine besonders hohe Passwortkomplexität, als zusätzliche Absicherung wird die Aktivierung von Zwei-Weg-Authentifizierung angeraten.

Source Code

Die aktuelle Beta-Version von Peerio ist für Windows, OS X und als Chrome-App verfügbar. Zusätzlich wurde die Software in Form des Source Codes auf Github veröffentlicht. Kobeissi hofft, dass Dritte den Code auf etwaige Sicherheitslücken oder konzeptionelle Fehler untersuchen, damit man diese bis zur Version 1.0 ausräumen kann. Zudem wurde der Source Code schon vorab vom deutschen Sicherheitsspezialisten Cure53 einer Prüfung unterzogen.

Kommerziell

Entgegen den früheren Entwicklungen Kobeissis ist Peerio als kommerzielles Unterfangen ausgelegt. So soll es später einmal gegen Bezahlung Premium-Features wie das Anheben des Speicherplatzlimits für den Datentausch geben. Die Firma operiert mit 250.000 US-Dollar Startup-Kapital und hat derzeit 12 Angestellte. Neben den bereits erwähnten Ausgaben der Software soll Peerio später auch für Android und iOS angeboten werden. (apo, derStandard.at, 14.1.2015)

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Peerio

  • "Privacy for Everyone" lautet das Motto von Peerio.
    grafik: peerio

    "Privacy for Everyone" lautet das Motto von Peerio.

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