2014 so viele Auto-Rückrufe wie nie zuvor

14. Jänner 2015, 13:54
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Fast 63 Millionen Autos 2014 in den USA zurückgerufen

Stuttgart - Defekte Airbags, undichte Benzinleitungen oder Probleme mit den Bremsen: Wegen Sicherheitsmängeln mussten 2014 so viele Autos zurückgerufen werden wie nie zuvor. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach hervor.

Demnach wurden allein auf dem Riesenmarkt USA im vergangenen Jahr fast 63 Millionen Autos wegen sicherheitsrelevanter Probleme zurück in die Werkstätten beordert - mehr als doppelt so viele wie im bisherigen Rekordjahr 2004. Zum Vergleich: Die knapp 63 Millionen Rückrufe sind fast vier Mal so viele Wagen wie insgesamt neu auf die Straßen kamen.

Ruf nach Qualitätskultur

Qualitätsmängel werden die Automobilhersteller der Studie zufolge wohl auch im neuen Jahr in Atem halten. Die Probleme mit defekten Zündschlössern bei General-Motors und explodierenden Airbags des japanischen Zulieferers Takata hätten gezeigt, dass eine Qualitätskultur längst nicht in allen Firmen den nötigen Stellenwert habe, schreibt der Autoexperte Stefan Bratzel in der Untersuchung. Manche Hersteller legten mehr Wert auf kurzfristige Gewinnmaximierung und beseitigten Mängel erst hinterher - "vielfach unter billigender Inkaufnahme von Unfällen", kritisiert Bratzel.

Die Zahl der Rückrufe bleibe jedoch vermutlich auch in den kommenden Jahren hoch. Mit ein Grund dafür sei, dass die Verbraucher weltweit sensibler auf Qualitätsmängel reagierten und sich über das Internet gut informierten. Bratzel untersucht in jedem Jahr den US-Markt, weil sich wegen der hohen Sicherheitsbestimmungen und des Klagerisikos dort besonders gut Schlüsse auf die Qualität der Fahrzeuge ziehen lassen. Der Trend gelte jedoch weltweit, da die Produktion global vernetzt sei.

Anfällige Elektronik

Als Grund für die gestiegenen Rückrufe sieht der Experte den höheren Anteil an Elektronik in den Autos und die steigende Zahl an gleichen Bauteilen. Die setzen die Hersteller ein, um die Kosten zu drücken. Damit nimmt die Gefahr zu, dass selbst kleine technische Mängel sich rasch auf eine große Zahl von Autos ausbreiten.

Ursache für technische Mängel sei vielfach ein hoher Sparzwang und erfolgsabhängige Bezahlung. Einkaufsmanager erhielten die Auflage, möglichst viel aus einem Geschäft herauszuholen. "Die stecken meist nicht in den Themen, um einschätzen zu können, welche langfristigen Folgen das hat. Dann sind sie längst in einer anderen Position und können nicht mehr verantwortlich gemacht werden", schildert Bratzel.

General-Motors musste im abgelaufenen Jahr fast 27 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten beordern. Die größten Rückrufe betrafen Mängel an Zündschlössern, die zu zahleichen tödlichen Unfällen geführt haben. Probleme gab es auch bei Airbags und Bremsanlagen. Mit einer Mängelquote von 912 Prozent - das ist die Zahl der zurückgerufenen Fahrzeuge im Verhältnis zu den jeweiligen Neuzulassungen des Jahres - war GM Negativ-Spitzenreiter in der Branche.

Die zweithöchste Rückrufquote hatte der japanische Hersteller Honda mit 577 Prozent. Grund waren hier fehlerhafte Airbags von Takata. Bei fast 900.000 Fahrzeugen lag das zudem an fehlerhaften Benzinleitungen.

Auch deutsche Hersteller waren betroffen, allerdings lag die Mängelqoute bei ihnen unter dem Durchschnitt von 379 Prozent. BMW (277 Prozent) musste in den USA fast 900.000 Wagen zurückbeordern. Bei 700.000 Fahrzeugen waren untaugliche Airbags der Anlass. BMW ist der einzige deutsche Autobauer, der die entsprechenden Airbags von Takata einsetzt.

Volkswagen war mit 161 Prozent weniger anfällig. Daimler zählt Bratzel mit 76 Prozent neben Volvo (keine Rückrufe) zu den qualitätsstärksten Herstellern. (APA/Reuters, 14.1.2015)

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