Glamour mit einem Touch Feminismus

16. Jänner 2015, 15:31
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Tina Fey und Amy Poehler witzeln über das System Hollywood, ein Photoshop-Experiment und Schulbücher frei von Genderneutralität

Glamourös: Bereits zum zweiten Mal moderierten die Comedy-Stars Tina Fey und Amy Poehler die Golden Globes. Seitenhiebe auf das System Hollywood, das zahlreiche frauenfeindliche Stolpersteine bereithält, gab es auch heuer wieder zahlreich. So freuten sich Fey und Poehler mit der 46-jährigen Patricia Arquette, die als beste Nebendarstellerin in "Boyhood" einen Globe erhielt – die Arbeit an dem Film erstreckte sich über zwölf Jahre. Es sei in Hollywood also doch möglich, dass Frauen über 40 ausgezeichnet werden – "vorausgesetzt, man wird schon weit vor dem 40er engagiert", schoben Fey und Poehler nach.

Nicht ganz trauten die beiden der Jury beim Lebenswerk-Preis, den George Clooney entgegennahm:

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Tina Fey und Ama Poehler stellen Clooneys frisch angetraute Ehefrau und Menschenrechtsanwältin Amal Ramzi Alamuddin Clooney vor.

Und das war nicht alles: Das Magazin "Bust" schrieb über "Zehn fantastische feministische Momente der Globen Globes 2015".

Und der Oscar geht an ...: Es geht glamourös weiter. Diese Woche wurden die Oscar-Nominierungen bekanntgegeben. Keine Überraschung ist wie auch in den Jahren zuvor, dass vor allem weiße Männer die Nominierungen einstreifen. Wie mau es mit Diversität bei den Oscar-Verleihungen und der Academy of Motion Picture Arts and Sciences aussieht, zeigen ein paar eindrücklichen Grafiken auf der Website des "Telegraph". Es wurden heuer keine schwarzen SchauspielerInnen, keine Drehbuchautorinnen oder Regisseurinnen nominiert. Von den insgesamt 127 Nominierungen gingen 102 an Männer und 25 an Frauen. In der Academy selbst entscheiden übrigens nur 23 Prozent Frauen über die Oscars, von den gesamten Mitgliedern sind 94 Prozent weiß.

Frauen wegretuschieren fällt nicht weiter auf: Ebenfalls in "Bust" ist ein kleines Photoshop-Experiment zu finden: Wie sähe der Schulterschluss hochrangiger PolitikerInnen gegen den Terror am 11. Jänner in Paris ohne Frauen aus? Nun, der Unterschied fiele nicht besonders auf. Keine Problem für eine "ultraorthodoxe Zeitschrift", so "Bust", die Frauen kurzerhand wegretuschierte. Umgekehrt hingegen würden die Frauen ziemlich allein auf weiter Flur stehen, wie hier zu sehen.

Zuschriften, viele und nicht freundlich: Die Wochenzeitung "Christ & Welt" erscheint in der "Zeit" und widmet sich den Themen "Glaube, Geist und Gesellschaft". Auf der Webseite der Zeitung ist aktuell ein fast unglaublicher Bericht zu lesen. Redaktionsleiterin Christiane Florin lehnte eine Anzeige des katholischen Hilfswerks "Kirche in Not" ab, unter anderem mit der Begründung, nicht hinter einem in der Anzeige angeführten Punkt stehen zu können, der so lautetet: "Gegen den Strom von Meinungsdiktatur und Political Correctness". Für Florin fällt das unter "Pegida-Vokabular", der Begriff "Meinungsdiktatur" sei Diffamierung und "keine Kritik an der Demokratie", zeigte sich die Redaktionsleiterin überzeugt. Der Hagel folgte auf dem Fuß: Dass diese Publikation ein Beispiel für die "Lügenpresse" sei, war noch die freundlichste Rückmeldung. Die Beschimpfungen reichten von "Himmlerschlampe" bis zum "betitteten Mistkäfer". Die Redaktion druckte diesen Wulst von Aggressionen ab, den sehr viele sogar mit vollem Namen unterschrieben.

Genderneutral? Weit gefehlt: Der Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen sprach sich kürzlich gegen geschlechterneutrale Sprache in Schulbüchern aus, alles zu kompliziert, lautete, vereinfacht gesagt, das altbekannte Argument. Leicht ist dieses Schulbuch mit dem Titel "Lasso 2" aber sicher nicht zu verstehen, obwohl es von Genderneutralität meilenweit entfernt ist. Um diese Aufgabe zu lösen, müssen die Schülerinnen und Schüler ein umfangreiches Wissen über Geschlechterstereotype mitbringen.

(red, dieStandard.at, 16.1.2015)

  • Tina Fey und Amy Poehler moderierten wie schon 2014 die Golden Globes.
    foto: ap/john shearer

    Tina Fey und Amy Poehler moderierten wie schon 2014 die Golden Globes.

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